Jim James - Uniform Distortion - Cover
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Jim James Uniform Distortion


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
3.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Rock & Roll soll tot sein? Nicht so lange es Platten wie „Uniform Distortion“ gibt.

Jim James, der Frontmann der 1998 in Louisville, Kentucky gegründeten Alternative-Country-Rock-Band My Morning Jacket legte im Dezember 2017 mit „Tribute To 2“ seine zweite Veröffentlichung mit sensiblen, schrulligen und eigenwilligen Cover-Versionen vor. „Uniform Distortion“ zeigt den Musiker jetzt mit Eigenkompositionen verändert. War das Album mit Fremdmaterial noch eine zart fühlende, akustische Angelegenheit, so zieht Jim nun andere Saiten auf und lässt elektrische Gitarren sprechen. Unterstützung erhält er dabei von Seth Kauffman (Floating Action) am Bass, dem Schlagzeuger Dave Givan sowie den Sängerinnen Leslie Stevens, Jamie Drake und Kathleen Grace von Dear Lemon Tree. Bei der Umsetzung der neuen Lieder verzichtet Jim weitestgehend auf die eigenartige, gewöhnungsbedürftige Stimmakrobatik, die Teile des Vorgängers ausmachten. Hier präsentiert er sich gesanglich als seriöser Singer-Songwriter mit eigener, am Rock & Roll geschulter Note.

Jim hat im Zusammenhang mit der Veröffentlichung des Albums ein Anliegen, eigentlich ist es schon eine Botschaft: Nach der Lektüre des auf Umweltthemen, Nachhaltigkeit und Do-It-Yourself-Kultur spezialisierten 1970er Jahre Magazins „The Last Whole Earth Catalogue“ dachte der Sänger, Gitarrist und Komponist über die gesellschaftliche Abhängigkeit von Technologie und über den Umgang mit Informationen nach. Er kam zu dem Schluss, dass es eine generelle Verzerrung im Umgang mit Nachrichten und Meinungen gibt. Er plädiert für einen Weg zurück zur Wahrheit, durch die die zurzeit vorherrschenden postfaktischen Manipulationen ihre Bedeutung verlieren. Wir sollten gegen Ungerechtigkeit und gezielte Falschinformation angehen und die sozialen Netzwerke für Frieden, Liebe und Gleichheit und damit für eine bessere Zukunft nutzen, meint James.

Ganz abgesehen davon, dass Jim James von kritischen Themen - wie die sinnvolle Gestaltung der Lebenszeit - bei der Produktion von „Uniform Distortion“ umgetrieben wurde, kommt es dem Musikfreund natürlich in erster Linie darauf an, wie überzeugend die neuen Stücke geworden sind: Die jaulende Gitarre, das klickende Schlagzeug und der knurrende Bass verpassen „Just A Fool“ einen dreckigen, giftigen R&B-Groove, der an The Black Keys erinnert. Der ausgleichende Gesang neutralisiert diese Schärfe jedoch meistens. „You Got To Rome“ feiert die Ausgelassenheit des Rock & Roll der 1950er Jahre, ohne dabei übertrieben nostalgisch zu sein. „Out Of Time“ tritt zunächst in ähnliche Fußstapfen, bekommt aber gegen Mitte des Songs rauschhafte Zutaten verordnet. „Throwback“ klingt nach dem intim-psychedelischen Folk-Rock von Big Star um Alex Chilton und „No Secrets“ gefällt als melancholischer Westcoast-Rock mit sehnsüchtigem Background-Chor und einem von Neil Young inspiriertem Gitarren-Solo.

Mit klassischem Rock & Roll im Herzen beginnt „Yes To Everything“, schwenkt dann aber zum Hard-Rock mit intensivem Gitarrenlärm um. Der hymnische Riff-Rocker „No Use Waiting“ enthält danach sowohl peitschende Drums und kreischende Gitarren wie auch lyrischen Gesang. „All In Your Head“ erinnert dann hinsichtlich der Dynamikabstufungen an „Powderfinger“ von Neil Young. Bei den letzten drei Titeln wird die Härte zurückgefahren, worunter die Leidenschaft jedoch nicht leidet: „Better Late Than Never“ bietet schwungvollen Power-Pop, „Over And Over“ hätte in den 1960er Jahren ein Chart-Erfolg werden können und für die ergreifende Ballade „To Good To Be True“ greift Jim seine Gospel- und Southern-Soul-Leidenschaft wieder auf.

Das Power-Trio wühlt sich vorzugsweise durch kräftig-deftigen, krachend-dröhnenden oder ruppigen Garagen-Rock mit Folk- oder R&B Wurzeln. Das Verwirklichen der neuen Songideen hat den Musikern hörbar Spaß gemacht. Für Jim James scheint es ein befreiender Akt gewesen zu sein, dabei seine aggressive Seite zeigen zu können. Das Werk verfügt dadurch über eine erstaunliche Durchschlagskraft und Wucht. Außerdem zeigt sich eine Konzentration auf das Wesentliche. Rock & Roll ist hier sehr lebendig!

Anspieltipps:

  • Just A Fool
  • Throwback
  • No Secrets
  • No Use Waiting
  • Better Late Than Never

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