Lykke Li - So Sad So Sexy - Cover
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Lykke Li So Sad So Sexy


  • Label: RCA/Sony Music
  • Laufzeit: 34 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
8.3/10 Leserwertung Stimme ab!

„So Sad So Sexy“ ist ein Titel, der das bisherige Schaffen der Schwedin nicht passender beschreiben könnte.

Lykke Li öffnet ihren bisher so dichten Melancholie-Schleier und liebäugelt erstmals mit Trap, Vocal-Filtern und Rap-Collabos. Den Anfang dieser Neuerfindung macht der Song „Hard rain“, in dem noch alles sehr vertraut wirkt. Gesangsharmonien und ruhige Synthesizer durchziehen das Lied, das sich durch seine häufigen Wiederholungen und die fehlende Struktur mehr wie ein überlanges Intro anfühlt. Viel mehr Aufsehen erregt da schon das folgende „Deep end“. Schon im Vorfeld als Single ausgekoppelt, dürften sich ab jetzt die Lager spalten.

Sehr am Zeitgeist orientieren sich Sprechgesang und Beats an amerikanischen Hörgewohnheiten. Zumindest, bis ein schwelgerischer Refrain zum Träumen einlädt und versöhnlich stimmt. Erster Punktsieg für Lykke Li! Auch der von Aminé beigesteuerte Rap-Verse im dritten Song „Two nights“ mag zunächst irritieren, ergibt bei genauerer Betrachtung jedoch durchaus Sinn, stellen beide Tracks doch ihre unterschiedlichen Sichtweisen auf eine von Eifersucht zerrüttete Beziehung dar.

Nach zwei leichten Tagträumereien („Last piece“, „Jaguars in the air“) folgt ein wirklicher Totalausfall. In „Sex money feelings die“ besingt Lykke Li auf äußerst aufdringliche Art und Weise ein großes Nichts zu uninspirierten Instrumental-Klängen: „Baby don’t you cry / Sex money feelings die / ladies am I right / Sex money feelings die“. Bei der Schwedin dreht sich lyrisch wie gehabt alles um große Gefühle und großen Schmerz, verpackt in markige Worte und Floskeln. Aber „Sex money feelings die“ ist selbst vor diesem Hintergrund ein Ausreißer nach unten.

Als hätte sich das schlechte Gewissen gemeldet, schiebt sie mit dem Titeltrack ein Highlight nach und bricht zum ersten Mal mit der bisher so sorgsam gepflegten HipHop-Ästhetik. Schwülstige 80er-Jahre Synthieflächen und dezente Beats quellen aus den Boxen und der Refrain treibt dem Hörer mit seiner käsigen Hymnenhaftigkeit fast die Tränen in die Augen. Das dürfte theoretisch nicht funktionieren, tut es erstaunlicherweise aber verdammt gut. Dagegen kommen die folgenden Balladen nicht an. „Better alone“ versinkt zu sehr im Selbstmitleid („I’m better alone than lonely“) und „Bad woman“ kommt schlicht nicht aus dem Quark. Muss es auch nicht, denn das zum Abschluss zelebrierte „Utopia“ zieht noch mal sämtliche Register.

Fazit: Zarte Elektronik, schwebende Gitarrenklänge und Lis Nuscheln fügen sich zu einem weiteren Highlight dieses nicht immer ganz überzeugenden Albums zusammen.

Anspieltipps:

  • Utopia
  • So sad so sexy
  • Jaguars in the air
  • Hard rain

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