Stella Sommer - 13 Kinds Of Happiness - Cover
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Stella Sommer 13 Kinds Of Happiness


  • Label: Affairs Of The Heart/INDIGO
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Stella Sommer ist eine Club-Gängerin im Garage-Folk-Pop-Gewand... oder andersherum? Auf jeden Fall sticht die Wahl-Hamburgerin durch eine Verschrobenheit hervor, die in Deutschland viel zu selten aufkeimen darf.

Zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust und, um von Goethe frei weitere Worte in den Mund zu legen, zwei Sprachen brennen auf meiner Zunge. So ähnlich dürfte Heiterkeit-Frontfrau Stella Sommer gefühlt haben, dass sie neben ihrer starken und leider sträflich verkannten Kunst auch auf Englisch singen möchte. Für Kenner fühlt sich das wie eine Mischung aus Verbrechen und Abenteuer an, denn Texte wie in „Zwiespalt“ kommen nicht alle Tage daher. Gleichzeitig ist die Neugierde vorhanden, ob Sommer ihr textliches Gespür auch im Englischen zutage fördern kann.

Im Alleingang entfernt sich Stella Sommer von Rio Reiser und hakt bei Kate Bush und dem späten David Bowie ein. Der Garage-Rock ist unruhig introvertiert. Es brodelt unter der Oberfläche, während die Musik nie laut werden darf und Sommer singt wenige Zeilen wie einen Zauberspruch statt Geschichten zu erzählen. Mit dieser Mischung stolpert „13 Kinds Of Happiness“ eigenständig, aber eben doch mit klaren Vorbildern in der Hosentasche.

Scheinbar versucht Sommer zu Beginn alles, um entweder eine Formel oder einen Fließtext ohne Chorus vorzutragen. „13 Kinds Of Happiness“ und „We Love You To Death“ sind eine ewig wirbelnde Wiederholung und „Light Winds“ sträubt sich mit aller Macht gegen jegliche Doppelung von Worten. Erst „Do You Still Love Me Now?“ traut sich ein kompletter Song zu sein, dem dieses Korsett aber auch durch das strikte Schlagzeug anzumerken ist. Fast scheint es so, dass wir der Musikerin bei der Findungsphase beiwohnen dürfen, die mit „Dark Princess, Dark Prince“ abgeschlossen zu sein scheint. Zwar funktioniert ab diesem Stück weiterhin nicht alles, aber die Lieder erfahren eine Abgeschlossenheit, die dem Auftakt verwehrt bleibt.

Wenn die Zahnräder ineinandergreifen, gelingt Stelle Sommer mit „I Had No Idea“ und „For A Loner“ richtig schöne Pop-Musik mit Lo-Fi-Flair. Mit laufender Spielzeit geraten Sommers Vorbilder auch weiter in den Hintergrund, sodass ihre eigene Note klarer klingt. Das macht die widersprüchliche Natur von Liedern wie „A Certain Glow“ und „Boat On My River“ nicht besser aber nachvollziehbarer. Auf „13 Kinds Of Happiness“ steht sich vieles im Weg, doch das Album kommt mit einer unterschwelligen Wucht daher die nahelegt, dass diese Lieder aus der Künstlerin raus mussten. Das Album ist ein großes Klangprojekt und vieles bleibt nicht an der Tonwand haften.

Im Scheitern lassen sich allerdings die größten Siege für die Zukunft planen und auf dieser LP lässt sich gut erkennen, wo das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft ist. Sommer hat noch viele Geschichten im Gepäck und einige spannende Ideen, wie diese zu vertonen sind. Ob und welche Lehren Sommer aus diesem Alleingang zieht, wird für die Entwicklung einer fraglos interessanten Musikerin entscheidend sein.

Anspieltipps:

  • Dark Princess, Dark Prince
  • I Had No Idea
  • For A Loner

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