Saltatio Mortis - Brot Und Spiele - Cover
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Saltatio Mortis Brot Und Spiele


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 43 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Brot und Spiele“ ist Breitwand-Mainstream-Rock, der mit den frühen Werken der Band nichts mehr zu tun hat.

Mit dem „Zirkus Zeitgeist“-Album (08/2015) haben die mittelalterlichen Totentänzer von Saltatio Mortis endgültig den kommerziellen Thron bestiegen. Das Werk erlangte zum zweiten Mal in der Band-Historie nach „Das schwarze Einmaleins“ (08/2013) den ersten Platz der deutschen Album-Charts und erhielt im Abstand weniger Monate mit „Zirkus Zeitgeist: Ohne Strom und Stecker“ (11/2015) und „Zirkus Zeitgeist: Live aus der großen Freiheit“ (04/2016) zwei Live-Ableger und eine Best-Of-Kopplung („Licht und Schatten“, 06/2016) an die Seite gestellt, die zusammen für eine monatelange Hitparaden-Präsenz, stattliche Verkaufszahlen und ausverkaufte Konzerte nicht nur in Deutschland sorgten.

Nichtsdestotrotz ist so ein Veröffentlichungsfeuerwerk gewiss ein gewagtes Spiel, das im Fall von Saltation Mortis allerdings prächtig aufgegangen ist und nun nach einer Wiederholung schreit – zumindest was die Chart-Platzierung anbetrifft. Denn alles andere als Rang eins für „Brot und Spiele“, dem neuen Longplayer der Spielmänner, wäre wohl eine Enttäuschung. Das elfte Studioalbum der achtköpfigen Truppe um Sänger Jörg Roth alias Alea der Bescheidene und Drummer/Texter Lasterbalk der Lästerliche alias Timo Gleichmann entstand in den Principal Studios von Produzent Vincent Sorg (Die Toten Hosen, In Extremo, Broilers, Betontod, Kreator) und fährt in der einfachen Ausgabe 13 Songs auf, an denen mit Martha Jandová (Die Happy), Malte Hoyer und Florian Janoske (Versengold) sowie Simon Erichsen (Mr. Hurley & Die Pulveraffen) auch externe Musikerkollegen mitgearbeitet haben.

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„Brot und Spiele“ folgt dem auf „Zirkus Zeitgeist“ eingeschlagenen Weg und rückt die Band noch näher an die Deutsch-Rock-Sparte heran, als den Fans der frühen Werke lieb sein kann. So sind Titel wie „Große Träume“ oder auch „Dorn im Ohr“ strukturell im poppigen Punkrock-Segment der Toten Hosen zuhause, in das sich scheinbar aus Versehen ein paar Dudelsack-Klänge eingeschlichen haben („Europa“). Verstärkt wird dieser Eindruck durch die druckvolle, aber sehr glatte Produktion und den Gesang von Alea, der dem von Campino streckenweise äußerst ähnlich ist („Spur des Lebens“).

Damit haben es Saltatio Mortis den Kollegen von In Extremo mehr oder weniger nachgemacht und sind spätestens jetzt im Mainstream angelangt, auch wenn sich die Texte hin und wieder um politische Inhalte drehen („Besorgter Bürger“). Musikalisch dominiert dagegen satter Stadion-Rock („Träume aus Eis“), gemischt mit fetten Metal-Riffs („Brunhild“) und Mitgrölhymnen („Sie tanzt allein“). Wer das als alter Spielmannsgeselle nicht mag, ist aber nicht ganz auf verlorenem Posten. Denn wer es lieber traditioneller mag, sollte zur Deluxe-Ausgabe von „Brot und Spiele“ greifen, die eine zweite CD mit 13 akustischen Liedern der alten Schule beinhaltet. Ein fairer Deal.

Anspieltipps:

  • Europa
  • Große Träume
  • Sie tanzt allein
  • Brot und Spiele
  • Ich werde Wind
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