Anna Calvi - Hunter - Cover
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Anna Calvi Hunter


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Anna Calvi will zu viel und klingt auf „Hunter“ derart groß, dass die kleinen Details untergehen.

Mit „One Breath“ ist Anna Calvi 2013 eine der Songwriter-Überraschungen gelungen. Das Album war verspielt düster und streng genommen dem St. Vincent-Werdegang um Jahre voraus. Sogar eine Zusammenarbeit mit Pop-Tausendsassa David Byrne bekräftigt diese Einschätzung. Gleichzeitig durfte Calvi nie den Kult-Status einer St.Vincent erfahren. Ob das der Grund ist, warum die Britin auf „Hunter“ konventioneller zu Werke geht, bleibt unklar.

Gleichzeitig dürfen Fans zumindest insofern beruhigt werden, dass Calvi allein durch ihren vielschichtigen Gesang eine Eigentümlichkeit aufrechterhält. Überhaupt ist der Gesang auf „Hunter“ technisch schlichtweg eindrucksvoll. Wenn sich dieses Talent wie in „Don’t Beat The Girl Out Of My Boy“ mit einer aufs Wesentliche reduzierten Melodie paaren darf, entstehen Ergebnisse, die den schlichteren Ansatz erfolgreich komplementieren. Hinter dem ungelenken Liedtitel verbirgt sich der wahrscheinlich einzige Song auf diesem Album, der den Ohrwurm-Fokus mit Individualität verziert.

Bereits „As A Man“ und „Hunter“ haben das Potenzial sich im Kopf festzusetzen, aber der generische Breitband-Pop nimmt den Liedern ungemein an Schlagkraft. Nach dem Prunkstück „Don’t Beat The Girl Out Of My Boy“ versucht sich Calvi zwar an ungewöhnlicheren Strukturen, aber bekommt keine klare Linie in ihre Musik. „Indies Or Paradise“ fühlt sich nach zwei Stücken an, die gewaltsam zusammengefügt wurden und wie der lasche Quasi-Bond-Song „Swimming Pool“ wissen die Songs nie, wohin sie mit ihrer Stimmung wollen.

Kleinere Höhepunkte wie „Alpha“ sowie der durchgehend brillante Gesang erinnern Hörer daran, was bei Anna Calvi alles möglich ist. Ebenfalls darf dem Album zugutegehalten werden, dass die Songwriterin abermals viel versucht, nur funktioniert es diesmal nicht so gut. „Hunter“ krankt letztlich daran, dass das Album zwischen zwei Welten lebt. Die Musik ist zu experimentell, um die Charts zu erobern und zu geradlinig strukturiert, um die Eigenheiten richtig auszuspielen.

Anspieltipps:

  • Dont’ Beat The Girl Out Of My Boy
  • Hunter
  • Alpha

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