Paul McCartney - Egypt Station - Cover
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Paul McCartney Egypt Station


  • Label: Capitol/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 57 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
8.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Ex-Beatle mit seinem 17. Soloalbum unter der Regie von Greg Kurstin.

Ein neues Studioalbum von Ex-Beatle Sir Paul McCartney (76) zählt in der Musikwelt auch heute noch zu den größeren Ereignissen, falls es diese in Zeiten von saudämlichen digitalen Überraschungsveröffentlichungen (aktuell: Eminem mit „Kamikaze“, 08/2018) überhaupt noch gibt. Zumindest für die ältere Generation der Pop-affinen Hörerschaft, die auch weiterhin „echte“ Tonträger kauft und die bei Begriffen wie „Schallplattenladen“ einen ganz verklärten Blick bekommt, gehört McCartney noch immer zur ersten Adresse der Popmusik. Solche Menschen haben sich den 7. September im Kalender dick angestrichen, auch wenn in den vergangenen Jahren nicht wirklich eine Unterversorgung mit McCartney-Musik bestand.

Da die Karriere des Liverpoolers seit dem Jahr 2011 ganz im Zeichen seiner qualitativ nicht ganz unumstrittener Re-Issue-Reihe stand, fiel es kaum auf, dass sein letzter regulärer Studio-Output „New“ (10/2013) inzwischen fünf Jahre auf dem Buckel hat, auf dem McCartney mit vier jungen Produzenten (Paul Epsworth, Mark Ronson, Ethan Johns, Giles Martin) zusammengearbeitet und dadurch ein paar neue Einflüsse für sein Songwriting zugelassen hat. Auch heuer, für „Egypt Station“, seinem 17. Soloalbum, hat der 76-Jährige wieder in die oberste Schublade der Pop-Produzenten gegriffen und mit Greg Kurstin (u.a. Lady Gaga, P!nk, Adele, Beck, Foo Fighters, Lily Allen) sowie Ryan Tedder (u.a. Birdy, Beyoncé, Chris Cornell, James Blunt, Whitney Houston), mit dem McCartney allerdings nur einen Song aufnahm, zusammengearbeitet.

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Entstanden ist „Egypt Station“ in Los Angeles, London und Sussex mit dem Ansinnen, ein echtes Pop-Werk abzuliefern. Und wer, wenn nicht Paul McCartney sollte dazu in der Lage sein, großartigen Pop abzuliefern. Also bloß kein hochtrabendes Alterswerk, sondern Spaß und Melodien, für die McCartney auf Experimente verzichtete, um sich im klassischen Pop-Format von vier Minuten pro Song auszutoben. Doch geht so ein Plan im Alter von 76 Jahren noch gefahrlos auf, ohne sich angreifbar zu machen? Nun ja, das Ergebnis dieses Konzeptalbums ist – wie erwartet – gemischt ausgefallen.

Ohne Frage ist, dass Paul McCartney immer noch tolle Melodien in petto hat. Doch sie sprudeln nicht mehr so wie zu Beatles-Zeiten aus ihm heraus. So gibt es mit „I don’t know“ zwar eine gute, aber nicht überragende Vorabsingle und mit Tracks wie „Happy with you“, „Confidante“ und „Hand in hand“ von akustischen Gitarren oder auch mal einem Piano dominierte Kleinode. Doch insgeheim wartet der Hörer auf die berühmten Beatles-Momente, die sich in Stücken wie „People want peace“, „Dominoes“ oder auch „Do it now“ verstecken. Dazu serviert der Liverpooler noch ein wütend stampfendes „Who cares“, bevor wir uns auch mit dem einen oder anderen Ausfall befassen müssen.

Dazu zählt das bewusst auf modern getrimmte „Fuh you“ inklusive eines unanständigen Textes, der für einen Mann in McCartneys Alter einfach nur peinlich wirkt. Ebenso ist der Dicke-Eier-Song „Caesar rock“, mit dem McCartney den Stones nacheifert, kein Ruhmesblatt. Doch mit nur zwei Rohrkrepieren schlägt sich Paul McCartney wacker. Damit reicht es zwar insgesamt zu keinem Meisterwerk, aber zu einem über weite Strecken sympathischen Werk, das eine gute Mischung aus Tradition und Moderne trifft und sich damit mehr als achtsam schlägt.

Anspieltipps:

  • Do it now
  • Who cares
  • I don’t know
  • People want peace
  • Despite repeated warnings
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