Adam Angst - Neintology - Cover
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Adam Angst Neintology


  • Label: Grand Hotel Van Cleef
  • Laufzeit: 33 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Adam Angst spielen diesmal Punkrock mit (zu viel) System.

Mit dem selbst betitelten „Adam Angst“ hat Frau Potz-Frontmann Felix Schönfuss das wahrscheinlich beste Kapitel seiner musikalischen Karriere begonnen. Das Album hat die Zugänglichkeit von Alt-Punks wie Die Ärzte mit einer Wut und Direktheit verbunden, die eben diesem Vorbild seit geraumer Zeit abhandengekommen sind. „Professoren“ und „Splitter Von Granaten“ waren in ihrem Erscheinungsjahr Referenzwerke eines Albums, das inhaltlich exzellent gealtert ist. Die Frage beim Nachfolger „Neintology“ muss jedoch nicht lauten, ob Adam Angst die Messlatte noch weiter hochlegen, sondern ob der Band langsam der Erfolg zukommt, der dieser Musik würdig ist.

„Adam Angst“ war kein Chartstürmer und wahrscheinlich dauerte es auch deswegen dreieinhalb Jahre bis die fünfköpfige Band sich mit einem Album zurückmelden konnte. Und dass Adam Angst auch von Seiten der Fans nicht nur Liebe entgegengekommen ist, zeigt die richtige Eröffnung „Punk“. Der Song bedient sich süffisant möglichst durchsichtigen Punk-Strukturen, um die Vorurteile und Kritik gegen die Band zu besingen. Am Ende dreht das Lied den Spieß um und konfrontiert Hörer mit ihren Erste-Welt-Problemen. Adam Angst provoziert die eigenen Hörer immer noch gerne und setzt sie mit ihrer Apathie und Doppelmoral auseinander, ohne diese in Kontext mit Rechtsradikalismus, Überwachung und Sexismus zu setzen. Textlich versteht sich diese Gruppe auch auf „Neintology“ vorbildlich.

Musikalisch ist „Punk“ jedoch eine Ankündigung für eine Spur von fehlgeleiteter Programmatik, die sich auf der Hälfte des Albums breit macht. Zwar passt die hohle Punk-Attitüde, doch sobald der Witz verflogen ist, bleibt neben einem starken Text lediglich ein mittelmäßiger Song. Wenn die Thematik sich leicht mit einem musikalischen Thema verbinden lässt, dann schaut Adam Angst, was sich machen Lässt. Synthie-Sounds in „Alexa“, Volksmusik hinterm Punk in „Alle Sprechen Deutsch“ und Emo-Rock zu „Damit Ich Schlafen Kann“, das sich mit Depressionen auseinandersetzt: alles passt, klingt aber irgendwie zu bekannt.

Das Gute ist, dass diese Kritik auf hohem Niveau stattfindet. Adam Angst bestätigen sich als inhaltlich relevante Punk-Band, deren Melodien hart genug, aber auch einladend für seichtere Gemüter sind, die sich über die Missstände der Gesellschaft austoben möchten. Am besten klingt das Album jedoch, wenn sich Schönfuss und Kameraden nicht als Programm-Unterhalter verstehen, sondern wie in „Blase Aus Beton“ und „Kriegsgebiet“ aus allen Rohren feuern und ihrer Natur folgen

Dass da nicht selten die Ärzte durchschimmern, ist wie schon auf dem Debütalbum kein Makel, sondern ein Qualitätsmerkmal, dass die mögliche Reichweite der Band verdeutlicht. Gepaart mit direkten Kampfansagen gegen Nationalismus und intelligenter Selbstkritik ist „Neintology“ vielleicht kein Heilmittel, aber auch im Jahr 2018 ein probates Mittel, um aus Wut Energie zur Veränderung zu machen. Und wenn es nur die Veränderung an einem selbst ist.

Anspieltipps:

  • Kriegsgebiet
  • Immer Noch
  • Blase Aus Beton

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