Kanye West - Ye - Cover
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Kanye West Ye


  • Label: Def Jam/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 23 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende

Die Leserwertung ist erst ab Datum der Veröffentlichung verfügbar.

Mit „Ye“ hat Kanye West ein Album geschaffen, das sich der Kim-Kardashian-Selfie-Filter-Welt entzieht und gerade durch seine Ehrlichkeit verdammt gut geworden ist.

Kanye West hatte es bereits angekündigt: 2018 erwarten seine Hörer gleich mehrere neue Alben. Das erste hört auf den Titel „Ye“. Und kann sich durchaus hören lassen – auch von Menschen, die sonst nicht viel mit HipHop anfangen können. Direkt mit dem Opener zeigt West, dass er auf „Ye“ in eine andere Richtung als gewohnt geht. „Most beautiful thoughts are always besides the darkest.“ Mit diesen Worten eröffnet er das Album. Der Hörer begibt sich auf eine Reise in Wests Gedanken. Er habe darüber nachgedacht, jemanden zu töten. Dabei habe er auch darüber nachgedacht, sich selbst zu töten, obwohl er sich so sehr liebe. Kontrovers? Auf jeden Fall. Aber auch sympathisch. West lebt sich auf diesem Stück künstlerisch aus und wird sozialkritisch: Der gesprochene Part geht über in einen Rap-Part, mit dem im Laufe des Stückes auch der Beat einen treibenden Track entwickelt. Er stellt in Frage, wieso man nicht offen über seine Gedanken und Probleme reden solle, seien sie auch noch so dunkel.

Mit dem nächsten Stück, „Yikes“, ist West eines der besten Stücke auf „Ye“ gelungen, das vor allem textlich überzeugt: West behandelt ganz offen seine psychischen Probleme, seine Bipolarität. Genau so ist der Text gehalten: „Shit could get menacin', frightenin', find help / Sometimes I scare myself, myself / Shit could get menacin', frightenin', find help / Sometimes I scare myself, myself“, rappt er direkt zu Beginn. Am Ende wird er konkreter und, im besten Sinne, bipolar: „That’s what I'm talkin' ‚bout / That's why I fuck with Ye / See that was my third person / That's my bipolar shit, nigga what? / That's my superpower, nigga ain't no disability / I'm a superhero! I'm a superhero!“.

Genau so ist es auch: Seine Bipolarität, sein überzogenes Ego, machen Kanye zu Kanye und sind somit seine Superkraft. Es ist erfrischend, dass nun auch einer der großen Rap-Stars sich Themen wie mentaler Gesundheit widmet. Klar, da sind Künstler wie Raleigh Ritchie und Frank Ocean, aber niemand wie Kanye West, der eine größere Reichweite und einen wesentlich größeren Einfluss hat. Es folgen Stücke wie „Ghost Town“, welches mit einem Feature mit PARTYNEXTDOOR aufwartet, das den Umgang mit den inneren Dämonen behandelt. Wie schon so oft schafft es Kanye, dass sich seine Songs entwickeln, die Message auch in ein Gefühl verwandeln können und so dem Hörer nah kommen.

Mit „Ye“ hat Kanye West ein sehr stimmiges Album geschaffen. Haben seine vorherigen Werke sonst eher unruhig gewirkt, bewirkt „Ye“ genau das Gegenteil: Es beruhigt. West wirkt erwachsener und als sei er sich selbst näher als je zuvor. Für dieses Gefühl sorgen Stücke wie „Violent Crimes“ und „Wouldn’t Leave“. Die Titel auf „Ye“ sind von Soul und Rock beeinflusst, kommen stellenweise nicht ohne Rap-klischeehafte Beats aus, bleiben sich aber immer treu. Er singt über die äußerlichen Attribute seiner Frau und über seine psychischen Probleme. „Ye“ ist zu einhundert Prozent Kanye und das Album, das sich manche immer von West gewünscht haben. Es ist vielseitig, an den richtigen Stellen überzogen, alles andere als perfekt, an einigen Stellen berechnet provokativ, aber vor allem eins: Ehrlich.

Anspieltipps:

  • Yikes
  • Ghost Town
  • Violent Times

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