Deaf Havana - Rituals - Cover
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Deaf Havana Rituals


  • Label: So Recordings/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Große Überraschung: Mit „Rituals“ legt die britische Rock-Band ein astreines Popalbum vor.

Mit dem britischen Quintett Deaf Havana aus dem ostenglischen Norfolk tummelt sich seit nunmehr 12 Jahren eine Band im Rock-Untergrund, die sich von Album zu Album künstlerisch und kommerziell weiterentwickelt, aber auch schon diverse Line-up-Wechsel hinter sich bringen musste. Dadurch verzögerte sich zum Beispiel die Produktion des bis dato letzten Albums „All These Countless Nights“ (01/2017) um einige Jahre. Doch nun melden sich James Veck-Gilodi (Gesang, Gitarre), Matthew Veck-Gilodi (Gitarre), Max Britton (Keyboards), Lee Wilson (Bass) und Tom Ogden (Schlagzeug) wesentlich früher als gedacht mit ihrem inzwischen fünften Longplayer namens „Rituals“ zurück – und bringen damit selbst eingefleischte Fans und Kenner zum Staunen.

Das zusammen mit Produzent Phil Gornell (All Time Low, Bring Me The Horizon, New Found Glory) in nur drei Monaten geschrieben und aufgenommene Album verlässt offensiv Deaf Havanas ursprüngliche Alternative-Rock-Pfade und schlägt ungewohnt poppige Töne an. Das Künstlerische Zepter übernahm dabei fast vollständig Sänger und Gitarrist James Veck-Gilodi (28), der den vermeintlichen Egotrip wie folgt beschreibt: „Sicherlich ist es eine Platte der gesamten Band, aber das Ganze ist eine sehr persönliche Sache, ein Alleingang, der mir einiges von der Seele genommen hat. Ich schreibe normalerweise über dieselben Dinge, also eher persönliche Erfahrungen, aber diesmal wusste ich, dass ich dem Ganzen ein übergreifendes Thema geben wollte. Also habe ich religiöse Themen als Metaphern benutzt – eine Metapher auch für mich. Ich bin nämlich manchmal ein richtiges Arschloch!“.

Dieser stilistische Quantensprung erinnert im Vergleich noch am ehesten an die US-Kollegen von Maroon 5, die ebenfalls von einer Rock- zu einer Pop-Band mutierten und damit zumindest kommerziell gut gefahren sind. Die besondere Übung für den Hörer im Zusammenhang mit „Rituals“ stellt deshalb dar, das bisher gewesene auszublenden und unvoreingenommen an die „neuen“ Deaf Havana heranzugehen. Gelingt dies, lässt sich durchaus Spaß an sommerlichen Tracks wie „Sinner“, „Ritual“, „Saviour“ oder auch „Pure“ finden, die auf Anhieb ins Ohr gehen und niemanden wehtun.

Fazit: Deaf Havana haben sich auf ihrem fünften Longplayer für die Autobahnausfahrt „Mainstream“ entschieden und legen dazu 13 Popsongs vor, die allesamt auf einem soliden Niveau sind, ohne sich beim Hörer anzubiedern. Ob dieser Schachzug eine Ausnahme bleiben wird oder die Zukunft der Briten darstellt, wird dann das nächste Album des Quintetts zeigen.

Anspieltipps:

  • Ritual
  • Sinner
  • Saviour
  • Heaven
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