Phantastic Ferniture - Phantastic Ferniture - Cover
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Phantastic Ferniture Phantastic Ferniture


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 36 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Phantastic Ferniture verlängern die Strähne gut gemachter Rockmusik mit Frauen am Steuer.

Phantastic Ferniture beginnen ihr Debütalbum nahezu perfekt. Statt sich groß Gedanken zu machen, wie der erste Song auf dem ersten Album überhaupt klingen könnte, sollte und müsste, legt die Gitarre aus dem Stand los und lässt weder Hörern noch der Band Zeit zum Nachdenken. Dass der Titel dazu noch „Uncomfortable Teenager“ heißt, passt zur ekstatischen Unsicherheit eines Newcomers. Doch der Lo-Fi-Rock der Band beginnt nur scheinbar hektisch. Zum Auftakt spinnt das Trio bestehend aus Julia Jacklin, Elizabeth Hughes und Ryan K Brennan gefühlvolle Rocksongs, die von Sekunde eins an da sind und locker leicht über ihre Spielzeit unterhalten.

In „Fuckin ‘N’ Rollin“ ist die Band dann so weit, dass das Trio sich nach einem verspielten Gitarrensolo an eine hymnische Bridge heran wagt. Dabei klingt für Hörer nichts berechnet, sondern einfach so, als würde die Band im Moment reagieren und der eigens erfundenen Melodie folgen, ohne weiter darüber nachzudenken. Lieder wie „Gap Year“ sind wie der sanfte Strom eines kleinen Flusses, der niemanden gewaltsam mitreißt, sondern angenehme Erfrischung ermöglicht.

Nach der simplen, aber effektiven ersten Hälfte traut sich die Band an vertracktere Stücke heran, die dann tatsächlich etwas Sand ins Getriebe streuen. „Take It Off“ und „Parks“ haben im Kern das gleiche Potenzial zu verzücken, verlieren sich aber darin, dass die Band sich mit einem Mal einen Stil aufzuzwingen scheint. Die eigene Stimme der ersten Hälfte ordnet sich dem Stil unter, sodass die Musik an Momentum verliert. „Parks“ und „I Need It“ scheinen tiefer klingen zu wollen, als es zur Band passt, sodass ein im Grunde guter Song nicht in Erinnerung bleibt.

Der Wermutstropfen ist dabei deutlich hervorzuheben: Phantastic Ferniture schreiben gute Lieder, auch wenn sie nicht immer perfekt zu ihnen passen. Dem progressiven Mittelteil fehlt das nötige Gewicht, um Hörern emotional die Tür einzutreten. Der Indie orientierte Sound, der mit „Dark Corner Dance Floor“ zurückkehrt, ist das Highlight dieses Debüts und der Grund, warum sich Phantastic Ferniture oberhalb des Mittelmaßes wissen darf. Ob sie bei ihren progressiven Ausflügen wie „Mummy Y Pappa“ schlichtweg zu viel wollten oder lediglich die Feinjustierung fehlt, wird die Zukunft bestimmt zeigen. Die gelungene Hälfte dieses Albums ist zu gut, als dass diese Band keine weitere Chance erhält.

Anspieltipps:

  • Fuckin ‘N’ Rollin
  • Dark Corner Dance Floor
  • Uncomfortable Teenager

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