ShadowParty - Shadowparty - Cover
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ShadowParty Shadowparty


  • Label: Mute/Rough Trade
  • Laufzeit: 45 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Treffen sich je zwei Musiker von New Order und Devo und machen Musik, als wären Bands wie Blur bereits in den 80ern erfolgreich gewesen.

ShadowParty ist kein schlechter Scherz und auch kein aus der Not geborenes Projekt. ShadowParty ist die Zusammenkunft von vier Musikern, denen die Zeit ihrer Jugend zu fehlen scheint, die sie mit Elementen der folgenden Jahrzehnte füllen.

Nachdem sich die Band auf dem selbstbetitelten Debütalbum mit dem geradlinigen Rocker „Celebrate“ in The-Killers-Manier in Stimmung bringt, folgt eine wundersame Zeitreise. Ein Teil der Hörer wird nach dem folgenden „Taking Over“ die weiße Fahne hissen und zu verstehen geben, dass es reicht. Nicht weil der Song schlecht ist, sondern weil ShadowParty stilistisch mal eben dEus und Blur im 80er-Jahre-Gewand vereinen. Zwar erreicht das Lied nicht die Klasse der genannten Vorbilder, aber mit welchem Selbstverständnis ShadowParty fremde Stile ergreifen und in die 80er Jahre katapultieren, ist irgendwo zwischen faszinierend und dreist.

Mit Ausnahme des gefühlten Bonnie-Tyler-Duetts in „Reverse The Curse“ konzentrieren sich ShadowParty spätestens ab „Marigold“ auf einen von Blur und weiteren 90er-Größen inspirierten Klang, der durch das Einstreuen von Synthesizern aber noch altmodischer als die Vorbilder klingt. „Marigold“ und „Sooner Or Later“ bedienen sich insbesondere beim Gesang bei Damon Albarn und lassen Gitarren erklingen, die in besserer Art Oasis zu Weltruhm verholfen haben. Insgesamt ist „ShadowParty“ ein nicht ganz so gutes Best Of der 90er-Brit-Rock-Ära.

Gleichzeitig sind es weitere Tyler-Verbeugungen wie „Present Tense“, die das Album gewaltsam ein Jahrzehnt weiter in die Vergangenheit reißen und zeigen, dass ShadowParty auf einen einheitlichen Stil pfeifen, sondern scheinbar eine Art Tribut an ihre Lieblinge schreiben wollten. Die psychedelische Prog-Rock-Interlude „Even So“ vor der bunten Plastik-Rock-Nummer „Truth“ ist der endgültige Beweis dafür, dass ShadowParty keiner Fokusgruppe hinterhe jagen. Recht gibt der Band dabei, dass das Album auch ohne große Klasse zu unterhalten weiß.

Dass die Hörer bei „Even So“ verwirrt sind und „Vowel Movement“ als ungewollte (?) 80er-Parodie Fremdscham in Echtzeit entstehen lässt, ist zu verschmerzen. Dem Quartett ist mit „ShadowParty“ kein massiver Hit gelungen, aber dass die Band so konsequent ihr Ding macht, ist aller Ehren wert. Und selbst Kritiker des plastischen Synthie-Rocks der Vergangenheit werden sich dabei erwischen, wie sie mit erhobener Faust den Chorus in „Present Tense“ mitsingen. Allein für solche Momente hat sich die eigenwillige Zusammenkunft von Josh Hager, Tom Chapman, Phil Cunningham und Jeff Friedl rentiert.

Anspieltipps:

  • Taking Over
  • Present Tense
  • Marigold

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