Billy Gibbons - The Big Bad Blues - Cover
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Billy Gibbons The Big Bad Blues


  • Label: Concord/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 39 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Nach einem ersten Schock verzichtet Gibbons weitgehend auf die Autotune-Effekte, die den Vorgänger beinahe unhörbar machten. Stattdessen gibt es Blues, Blues und Blues.

Was hat dieser Mann in seiner Karriere alles erreicht? Eine unscheinbare Rhythm’n’Blues-Combo aus Houston, Texas schafft es bis Ende der Siebziger Jahre zu beachtlichem Erfolg, vor allem vor dem Hintergrund, dass eigentlich eher Hard Rock, bzw. später Punk und Disco dem Zeitgeist entsprachen. Als es dann langweilig wurde transformierte er seine Band zu einer MTV-Ikone mit Multimillionensellern und kultigen Musikvideos, indem er die klassischen Riffs mit Synthesizern und Discobeat anreicherte. Selbst 43 Jahre nach ihrer Gründung konnten ZZ Top mit „Perfectamundo“ mit Salsa-Rhythmen und der Musik Lateinamerikas zu experimentieren. Das wäre allerdings nicht schlimm gewesen, ja, sogar nachzuvollziehen, hätte der ikonische Bartträger darauf verzichtet seine Stimme dermaßen mit Autotune zu verzerren, dass das Album quasi unhörbar wurde.

Anstatt sich mit seiner Stammband ins Studio zu gesellen, legt Gibbons mit „The Big Bad Blues“ nun sein zweites Soloalbum vor und der Name ist Programm. Mit einem von „La Grange“ entliehenen Riff wird das Album eröffnet, der Bass dröhnt, die Gitarre knarzt. Doch dann der erneute Schock: Gibbons kann seine Finger nicht vom Autotune lassen. Nur warum? Seine Stimme ist tief, rauchig, kratzend und etwas brüchig. Was könnte besser zum Blues passen? Die gute Nachricht ist, danach verzichtet er weitgehend auf diesen Effekt oder setzt ihn nur sehr dezent ein. „My Baby She Rocks“ und „Let The Left Hand Know“ shufflen lässig vor sich hin, sind mit einer beinahe bösartig klingenden Bluesharp von James Harman versehen und erinnern vom Sound etwas an „Rhythmeen“ aus den Neunzigern. „Second Line“ ist klassischer Rock’n’Roll im Stile der Rolling Stones, der Slow Blues „Standing Around Crying“ stammt im Original von Muddy Waters.

„Bring It To Jerome“ passt zum Albumtitel wie die Faust aufs Auge. Der Midtempo-Shuffle bedient sich klassischer Bluesriffs und Licks, klingt aber dreckig und fies. „That’s What She Said“ gehört in eine ähnliche Kategorie, auch hier spürt man den Dreck, kann den Schweiß förmlich riechen und tropfen spüren. „Hollywood 151“ und noch mehr „Rollin‘ And Tumblin‘“ gehen dann verhältnismäßig flott zur Sache, Bo Diddleys „Crackin‘ Up“ beschließt das Album nochmal mit etwas Latineinflüssen, aber besser als auf dem Vorgänger. Mit Ausnahme vom etwas unsteten „Mo‘ Slower Blues“ und Teilen des Openers, kann man Billy Gibbons hier keine Vorwürfe machen. Er macht die Musik mit der er aufgewachsen ist und die ihn und ZZ Top musikalisch sozialisiert und gewissermaßen berühmt gemacht hat. Nach dem Ausfall „Perfectamundo“ war ein solches Album wie „The Big Bad Blues“ nicht zu erwarten.

Anspieltipps:

  • Let The Left Hand Know
  • Bring It To Jerome
  • That’s What She Said
  • Hollywood 151

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