The Prodigy - No Tourists - Cover
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The Prodigy No Tourists


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 38 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
9.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Die Kakophonie des Chaos lebt weiter. The Prodigy wollen auch heute noch genauso spannend, unbequem und gefährlich sein wie vor 25 Jahren. Nur: Sie schaffen es nicht!

Drei Jahre nach „The Day Is My Enemy“ (03/2015) melden sich die britischen Radaubrüder Liam Howlett, Keith Flint und Keith „Maxim Reality“ Palmer mit ihrem siebten Studioalbum „No Tourists“ zurück. Das Werk entstand im Laufe des vergangenen Jahres im Londoner Kings Cross Studio von Mastermind Liam Howlett und soll die Band mit frischen Klängen, aber auf vertrautem Big-Beat-Terrain, in die Zukunft führen. Dabei will das Trio nicht einfach nur eine gewisse Erwartungshaltung erfüllen, sondern ihre in den 90er Jahren gewonnene Relevanz zu neuem Glanz führen. Ob das gelungen ist, zeigen zehn neue Tracks, die in 38 Minuten am Hörer vorbeidonnern.

Liam Howletts Handwerkszeug anno 2018 besteht aus 90er-Jahre-Old-School-Samples, die er irgendwie neu klingen lassen möchte. Das Grundprinzip besteht dabei weiterhin aus der Formel, laut, primitiv, durchgedreht und spitz wie Nachbars Lumpi aus den Boxen zu ballern. Im Vergleich mit älteren Werken hat sich also auch auf „No Tourists“ nicht wirklich etwas verändert. Aus der Konserve macht ein Album wie dieses deshalb genauso viel oder wenig Sinn, wie „The Day Is My Enemy“ oder „Invaders Must Die“. Die beinharten Fans werden es abfeiern, der neutrale Hörer etwas ratlos dreinblicken.

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Nichtsdestotrotz versteht es Liam Howlett natürlich auch heute noch, hin und wieder ein paar Bomben zu zünden, die jeden Rave durch die Decke gehen lassen. Nämlich immer dann, wenn er den gewohnt simplen „Beat meets Refrain“-Cocktail so eingängig gestaltet, dass auch nicht zwingend Electro-Rock-affine Hörer darauf steil gehen („We live forever“). Im krassen Gegensatz dazu stehen allerdings diverse Langweiler, die bis auf eine fiese Geräuschkulisse und wummernde Beats keinen Esprit zu bieten haben und das eigene Erbe mehr schlecht als recht verwalten („No tourists“, „Fight fire with fire“).

Ein Grund für diese Ausfälle könnte sein, dass Liam Howlett auf diesem Longplayer einen ausgewiesenen Egotrip fährt und seine Kollegen Keith Flint und Maxim Reality äußerst stiefmütterlich in das Geschehen einbindet. Dabei ist es doch gerade das räudige Auftreten von Mr. Flint, das den Unterschied ausmacht. So aber suhlen sich die Herren von The Prodigy mit „No Tourists“ im gepflegten Durchschnitt, was vielleicht die Schlimmste aller möglichen Einschätzungen für das Album darstellt. Denn was früher genial durch die Decke ging („The Fat Of The Land“, 06/1997) und später nur noch peinlich berührte („The Night Is My Friend EP“, 07/2015), löst heute lediglich ein müdes Achselzucken aus. Die Krachmacher vom Dienst haben fertig.

Anspieltipps:

  • Resonate
  • We live forever
  • Timebomb zone
  • Champions of London

Bild-Credit (Header): Matthias Hombauer

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