Animal Collective - Tangerine Reef - Cover
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Animal Collective Tangerine Reef


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 54 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
5/10 Leserwertung Stimme ab!

Animal Collective vereinen ihre Avantgarde-Musik mit Kunst und vergessen, dass sich ein Bild auf vielerlei Art mit mannigfaltigen Stimmungen beschreiben lässt.

Bilder einer Ausstellung von Mussorgsky ist ein Prinzip, das gern und oft verwendet wird. Musik, die sich in direkter Weise auf geschaffene Kunstobjekte bezieht, hat einen ganz besonderen Reiz. Gleichzeitig tut sich diese Form von Musik ohne Beiwerk sehr schwer. Das Animal Collective versucht diese Problematik gar nicht erst anzugehen, was ihr gutes Recht ist. „Tangerine Reef“ ist wie ein Filmsoundtrack als Teil eines Ganzen zu begreifen. Wer die konsequenten stilistischen Mittel nicht mag oder diese Musik auch ohne das Betrachten von Bildern von Riffen genießen möchte, wird allerdings enttäuscht sein.

„Tangerine Reef“ ist ein Kollektiv aus Liedern, die ineinander übergehen, um behutsam von einer Stimmung zur nächsten zu steuern. Dafür bleiben der wabernde Sound und hallende Gesang durchgehend erhalten, was dafür sorgt, dass die Übergänge nahtlos, die Stücke aber auch kaum voneinander zu unterscheiden sind. Im Augenblick des Hörens ist Zuhörern möglich „Hair Cutter“ von „Buffalo Tomato“ zu unterscheiden, aber nach Abschluss des Albums werden die wenigsten einzelne Stücke im Kopf geschweige denn eine Spannungskurve im Kopf behalten können. Den Wassertropfen in „Hair Cutter“ entsprechend entpuppt sich das Wabern als harmloses Plätschern.

Zwar ringen Soundgebilde wie „Coral Realization“ um Aufmerksamkeit, aber außer ihrer Verschrobenheit liefern sie keine Argumente, um mit Ohren und Kopf zu verweilen. Der hallende und gehauchte Gesang verliert schnell an Faszination, weil sich kaum Unterschiede bezüglich der Intensität ausmachen lassen. Das kann an einer meditativen Interpretation der beiliegenden Kunst liegen und doch entsteht dadurch eine aufgehübschte Zweidimensionalität, die kaum Raum für Kopfkino zulassen.

Auf viele Menschen hat der Anblick von Riffen bestimmt etwas Beruhigendes, doch gleichzeitig sprühen sie vor Leben, das in ihnen und um sie herumtobt. Große Riffe haben etwas Majestätisches an sich und wenn sie im Sterben liegen etwas höchst Dramatisches. All diese Gefühle lassen sich auf „Tangerine Reef“ im besten Fall erahnen. Das Animal Collective vermittelt uns etwas, das unter Wasser ist und in gleichbleibender Ruhe hin und her wiegt. Damit ist das Album mehr Zustandsbeschreibung als Interpretation geworden und lässt sich viele Chancen entgehen, um das Konstrukt Riff vielschichtig zu feiern.

Anspieltipps:

  • Buffalo Tomato
  • Hair Cutter
  • Hip Sponge

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