Great Lake Swimmers - The Waves, The Wake - Cover
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Great Lake Swimmers The Waves, The Wake


  • Label: Nettwerk/WEA
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Weniger Folk und mehr Pop erzeugen im Fall von „The Waves, The Wake“ weder mehr Massenappeal noch Qualität.

Die weltweit größte Suchmaschine spuckt Tausendsassa als Übersetzung für den englischen Begriff jack of all trades aus. So ganz passt das nicht, denn der Tausendsassa ist durchaus jemand, der einiges bis zur Perfektion beherrscht. Der jack of all trades dagegen weiß von allem etwas und balanciert zwischen Vielseitigkeit und Halbwissen. Auf diesem Terrain sind auch die Great Lake Swimmers auf „The Waves, The Wake“ unterwegs. Die als Teil der Folk-Szene bekannte Band erinnert auf ihrem neuen Album an Indie-Rock von einst in Gestalt von Death Cab For Cutie. Den Folk-Pop lässt die Band eher durch die Wahl der Instrumente durchschimmern.

Die Erkenntnis nach knapp 50 Minuten ist jene, dass die Great Lake Swimmers den sanften Indie-Rock verstehen, ihn aber nur in limitierter Form zum Leben erwecken. Da helfen keine Folk-Sounds in „In A Certain Light“ oder Harfen in „Falling Apart“, wenn die Lieder lediglich ruhig wiegen. Eine durchaus ansprechende Melancholie ist der Band weiterhin nicht abzusprechen, aber die Naivität früherer Lieder ist einer Schwerelosigkeit gewichen, die die Lieder so manches Mal in der Luft hängen lässt. Selbst wenn das Schlagzeug nicht verbannt wurde, packen Lieder wie „Root Systems“ ihre Hörer nicht, sondern bleiben im Hintergrund. Dieses Understatement ist als Teil eines Ganzen ein schönes Stilmittel. Als Mittelpunkt stört es den Fluss auf „The Waves, The Wake“ jedoch.

Wenn die Band in ihrem sauberen Klang wie in „Unmaking The Bed“ doch das richtige Rezept für ihren Stil finden, verschwinden alle vorher gehegten Zweifel. Gleichzeitig bleibt damit die Kritik bestehen, dass die anderen Stücke schlichtweg nicht passen oder sogar nicht gut genug sind. Minimalistische und von Stimmen getriebene Stücke wie „Visions Of A Different World“ bleiben Experimente, deren sanfte Note verhallt, ohne dass tiefe Gefühle an die Oberfläche geholt werden.

Gegen Ende ist nicht zu verneinen, dass der Sound der Band lose an Sufjan Stevens und Death Cab For Cutie erinnert, aber lediglich ansatzweise deren Qualitäten ausspielen kann. Die Great Lake Swimmers fassen ihre Hörer mit Samthandschuhen an und auch wenn das nicht schief geht, ist das Ergebnis mittelmäßig. In „Holding Nothing Back“ heißt es „so I give all my love to you“, nur spüren tun Hörer davon nichts.

Anspieltipps:

  • Unmaking The Bed
  • In A Certain Light
  • Alone But Not Alone

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