Anti-Flag - American Reckoning - Cover
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Anti-Flag American Reckoning


  • Label: Spinefarm/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 31 Minuten
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2/10 Unsere Wertung Legende
5.4/10 Leserwertung Stimme ab!

Für eine Akustikplatte braucht es mehr als nur einen Gitarrentausch.

Die politischen Punker aus Pittsburgh mischen mittlerweile schon seit 25 Jahren im Punkkosmos mit. Trotzdem konnten Anti-Flag nie den Status erreichen, wie ihn Bad Religion, The Offspring oder NoFX erreicht haben. Das könnte daran liegen, dass sie immer noch wie eine Teenie-Punk-Band klingen, was vor allem an Justin Sanes jugendlicher Stimme liegt. Auch auf ihrem neuen Album „American Reckoning“ ist dies eines der Hauptprobleme. Die Texte können noch so sozialkritisch und wichtig sein, richtig ernstnehmen kann man Sane nicht.

Das zweite Manko an „American Reckoning“ ist, dass es sich nicht wirklich um ein neues Album handelt. Hauptsächlich besteht es aus Songs der Vorgänger-Alben „American Spring“ und „American Fall“, die die Band in akustischem Gewand neu aufgenommen hat. Dazu gibt es noch drei Coversongs. So wie man sich ein Akustik-Album einer Punkband vorstellt, klingt die Scheibe dann auch. Geschrammelte Lagerfeuergitarren, grölende Gang-Vocals ohne viel Abwechslung. Ohne Schlagzeug, dafür mehrere Gitarren, so wird versucht die fehlende Durchschlagskraft zu kompensieren. Das funktioniert leider nicht wirklich.

Es lässt sich eigentlich keinen Song irgendwie hervorheben, zu ähnlich, zu gleichförmig klingt hier alles. „When The Wall Falls“ kann wenigstens mit einer coolen, punkigen Strophe überraschen, wird dann aber mit einem Refrain, der so austauschbar und egal ist wie die Songs von Thirty Seconds To Mars, ad absurdum geführt. Auf „Trouble Follows Me“ klingt dann doch eine E-Gitarre. War das kurze, aus wenigen Tönen bestehende Solo etwa zu schwer, um es auf der Akustikgitarre zu spielen?

Die drei Coversongs kommen dann in elektrischer Fassung daher. John Lennons „Gimme Some Truth“ plätschert dahin und man kann froh sein, wenn es vorbei ist. „For What It’s Worth“, im Original von Buffalo Springfield mit Neil Young und Stephen Stills, ist ok, trotzdem geht ihm die Lässigkeit des Originals abhanden. Den Abschluss bietet „Surrender“ von Cheap Trick, das sich nah am Original orientiert. Erschreckend ist, dass der Sound kraft- und saftlos wirkt, als hätte die Band die Songs einfach im Proberaum mit altem Aufnahmeequipment mitgeschnitten.

Als Bonus Tracks hätte man dies akzeptieren können, da aber schon das Experiment der akustischen Punkband in die Hose geht, ist das „Album“ ein wirkliches Ärgernis. Hier hätten Anti-Flag schon etwas mehr Zeit in die Arrangements investieren müssen, statt einfach nur die elektrische mit der akustischen Gitarre zu tauschen und das Schlagzeug wegzulassen. „American Reconing“ tut zwar nicht weh, ist aber mehr als egal.

Anspieltipps:

  • The Debate Is Over (If You Want It)
  • When The Wall Falls

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