Bill Ryder-Jones - Yawn - Cover
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Bill Ryder-Jones Yawn


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 59 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Bill Ryder-Jones sagt ja zum inneren Songwriter mit Rockwurzeln und feiert eine erfolgreiche Abkehr vom Pop und Rückkehr zu großer Form.

Bill Ryder-Jones hat sich das Leben lange nicht leicht gemacht. Im Art-Pop war er stets hin- und hergerissen zwischen luftigen Ambitionen und geerdeten Melodien. Auf „Yawn“ reduziert sich Ryder-Jones bewusst und frönt den rauen Klängen der handgemachten Rockmusik aus Zeiten der Jahrtausendwende. Dabei steht Ryder-Jones sich das erste Mal in seiner Karriere nicht selbst im Weg und unterstützt seine Gabe, Hörer fühlen zu lassen, gekonnt. Im Gegensatz zum im Herzen stechenden „If...“ ist „Yawn“ allerdings eine warme Decke an einem kalten Winterabend samt Vorrat an heißer Schokolade, Hühnersuppe und Umarmungen.

Der melancholische Grundton des eröffnenden „There’s Something On Your Mind“ ist ein bewusst gewähltes Stilmittel, das eher unabsichtlich verwirrt. „Yawn“ ist ein positives Album, das Mut macht. Aber das Album muntert solche Geister auf, die selbst am Boden liegen. Mit einer Party, Floskeln und wenig hilfreichen Sprüchen wie „du musst halt öfter mal lachen und lächeln und Spaß haben“ kommen Stimmen von außen nicht weit. „Yawn“ ist ein treuer Freund, der die Stimmung des anderen einzuschätzen weiß und sich wagemutig in die tieftraurigen Abgründe des anderen begibt, um ihn aufzumuntern. „There’s Something On The Mind“ ist buchstäblich ein Lied über das Nachhaken, was beim anderen gerade so im Kopf und im Leben vorgeht.

Die Zeit wird in „Time Will Be The Only Saviour“ beim Heilen helfen und auch „Recover“ ist ein Versprechen, dass alles immer wieder irgendwie gut wird, auch wenn mal etwas schief geht. Selbst Hörer, die komplett ahnungslos an „Yawn“ herangehen, spüren Bill Ryder-Jones’ Wärme, die spätestens in „Don’t Be Scared“ im positiven Sinne überwältigend ist. Der Chorus von „Don’t Be Scared, I Love You“ allein ist das Album wert. Solche Melodien können Tränen versiegen lassen oder zumindest beim emotionalen Reinemachen helfen.

Dass Ryder-Jones auf „Yawn“ eine knappe Stunde ins Mikrofon säuselt und haucht, ist dabei ebenfalls eine gewollte Einschränkung. Wie die angesprochene Decke legen sich die langsamen, intim vorgetragenen Stücke um den Hörer und nach wenigen Liedern ergibt sich das Gefühl, dass „Yawn“ in dieser Form genau richtig klingt. Und auch wenn das Album sehr introvertiert daherkommt, ist der rauchige, scheppernde Rock-Ansatz immer an Ryder-Jones’ Seite, um die mit der Stimme verborgenen Gefühle darzustellen. Und so ist „Yawn“ nach rund einer Stunde eines dieser Alben, bei dem sich ein Kreis schließt und hoffentlich so manch einer mutig verkünden kann: „Keine Macht der Winterdepression!“

Anspieltipps:

  • Don’t Be Scared, I Love You
  • Recover
  • There’s Something On Your Mind

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