The Weight Band - World Gone Mad - Cover
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The Weight Band World Gone Mad


  • Label: Must Have Music/H'ART
  • Laufzeit: 47 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
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The Weight Band betreibt Traditionsverwaltung in Erinnerung an Rick Danko, Levon Helm, Garth Hudson, Richard Manual und Robbie Robbertson.

Bevor sich Rick Danko, Levon Helm, Garth Hudson, Richard Manual und Robbie Robbertson in The Band umbenannten und 1965 die Begleitmusiker von Bob Dylan wurden, hießen sie The Hawks und waren von 1959 bis 1963 im Dienst des Rock & Rollers Ronnie Hawkins. Erst während der Zeit bei Dylan entwickelten die vielseitigen Musiker ihre wahren Qualitäten und wurden quasi zu den Urvätern von dem, was heute Americana genannt wird. Ihre schäumende oder harmonisch ausbalancierte Mischung aus Boogie, Blues, Country, Folk und altem Jazz war ein kreativer, beseelter Roots-Music-Mix, den es so vorher noch nicht gegeben hatte.

Zwischen 1968 und 1977 veröffentlichten die Multiinstrumentalisten sieben Studio-Alben und feierten am 25. November 1976 im Winterland Ballroom in San Francisco mit vielen illustren Gästen wie Neil Young, Joni Mitchell, Van Morrison und natürlich auch Bob Dylan ihren Abschied von der Bühne, der 1978 unter dem Namen „The Last Waltz“ als Ton- und Filmdokument veröffentlicht wurde. Robbie Robertson verfolgte fortan seine Solo-Karriere als Musiker, Filmmusik Berater für den Produzenten Martin Scorsese und Musik-Produzent. So kam es erst 1982 zu einer Live-Reunion von The Band, allerdings ohne Robbie. „Jericho“, das erste Studioalbum nach „Islands“ aus 1977 wurde zwar schon 1985 aufgenommen, kam aber erst 1993 auf den Markt. 1986 beging Richard Manuel Selbstmord und setzte damit einer eventuellen Fortführung der Aktivitäten in Originalbesetzung ein jähes Ende. Die verbliebene Besetzung spielte dann noch das Werk „High On The Hog“ (1996) ein. 1998 erschien dann das wohl letzte The Band-Album „Jubilation“, denn 1999 verstarb Rick Danko und im Jahr 2012 Levon Helm.

Aus der letzten Reinkarnation von The Band ist 2013 The Weight Band hervorgegangen. Das Projekt entstand während einer Jam-Session in der Scheune von Levon Helm, die „Songs Of The Band“ genannt wurde. Jim Weider, der Robbie Robertson an der Gitarre ersetzte, bildet heute die Basis der Gruppe. Aber auch die anderen Mitglieder haben irgendeine Verbindung zu den Musikern der Ur-Besetzung. Ist The Weight Band deshalb aber eine reine Retro-Version von The Band? Nicht ganz, auch wenn sie natürlich diesem lockeren, funky New Orleans-Folk-Rockabilly-Sound nacheifern. Die Musiker sind Traditionsverwalter, aber auch bemüht, dieses Amt mit Frische, Schwung und Ehrgeiz auszugestalten.

Im Einzelnen hört sich das so an: Der Song „World Gone Mad“ nimmt natürlich die aus den Fugen geratene Weltlage unter besonderer Berücksichtigung der Geschehnisse in den USA aufs Korn. Dabei spielt die Mandoline als antreibendes Lead-Instrument eine besondere Rolle. Sie sorgt für Ausgelassenheit und bietet eine flotte Unterstützung der Melodie für diesen ganz großartigen, radiotauglichen Folk-Rock an. „Fire In The Hole“ klingt wie ein Boogie-Blues-Outtake aus den ersten drei The Band-Alben. Sogar beim Einsatz der E Gitarre wurde darauf geachtet, dass der Sound möglichst genau dem eckigen, klirrend hellen Spiel von Robbie Robertson nachempfunden ist.

Der bewegliche Shuffle „Deal“ (1972), den Jerry Garcia (Grateful Dead) 1972 veröffentlichte, wird hier als gewöhnlicher, etwas hemdsärmeliger Kneipen-Blues interpretiert und die Ballade „Wish You Were Here Tonight“ könnte in seiner Gefühlsduselei von einem späten Eagles-Album stammen. Der elegant groovende Blues „Common Man“ hat eine große Portion Pop getankt und „Heat Of The Moment“ verfügt über eine raffinierte, durch abgestufte Tempo- und Dynamikführung verschachtelte Melodielinie, die für innere Spannung sorgt.

„You`re Never Too Old (To Rock & Roll)“ kommt als traditioneller Hillbilly-Rock & Roll viel zu altbacken und konventionell rüber. Die Ragtime- und Roots-Pop-Mischung von „Big Legged Sadie“ feiert wiederum den konzentrierten The Band-Sound, bei dem einzelne Mitglieder die Möglichkeit bekommen, sich instrumental hervor zu tun. „Day Of The Locusts“ wurde von Bob Dylan verfasst und ist auf „New Morning“ (1970) enthalten. Das Lied hat einen unwiderstehlichen Refrain, der auch in dieser Version prominent herausgestellt wird. Für „Every Step Of The Way“ werden Schwingungen eingebaut, die an die Country-Folk-Phase von Grateful Dead während der Alben „Workingman's Dead“ und „American Beauty“ aus 1970 erinnern. Die Bonus-Live-Version von „Remedy“ bietet dann noch biederen Blues-Rock mit Improvisations-Elementen an.

Das Album taugt für Nostalgiker genauso wie für Roots-Rock-Fans. Innovationen dürfen nicht erwartet werden, dafür ein engagiertes Einbringen von erstklassigem Handwerk. Aber das ist zu wenig, um an die Klassiker von The Band heranzureichen, die sich nicht nur durch unbändige Spielfreude, sondern auch durch erstklassige Kompositionen und individuelle Höchstleistungen hervortaten. Eine visionäre Wärme zeigt sich bei The Weight Band zu selten, dafür ist der Pop-Anteil relativ hoch. Die Arrangements haben nicht immer den Biss, die Entschlusskraft und die Spiritualität, die zu wünschen gewesen wäre. Dafür wird aber melodische Vielfalt angestrebt. Die Musiker begnügen sich oft mit dem Nachempfinden von Althergebrachtem. Das beherrschen sie allerdings außerordentlich gut.

Anspieltipps:

  • World Gone Mad
  • Fire In The Hole
  • Heat Of The Moment
  • Day Of The Locusts
  • Every Step Of The Way

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