Go March - II - Cover
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Go March II


  • Label: Yokozuna/Rough Trade
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Mit einer Prise Verschrobenheit à la Yello und einer stampfenden Gleichmütigkeit, die Kraftwerk Tribut zollt, gehen Go March mit „II“ in die richtige Richtung.

Ach, geht das wieder los? Eine Band, die sich als Konzept, als System, als fortschreitendes Projekt versteht und deswegen Alben mit Nummern versieht. Nicht einmal wie Adele mit dem eigenen Alter, sondern wie eine einfallslose Buch- oder Serienreihe nennt Go March das neue Album schlicht „II“. J. K. Rowling hat ihre Bücher damals auch nicht einfach Harry Potter eins, zwei, drei und Co. genannt. Aber sei es drum. Die fehlende Innovationskraft beim Albumtitel macht Go March diesmal mit Qualität wett. War das selbst betitelte Debüt noch ein recht dröges Erlebnis, ist „II“ ein Schritt nach vorn, der statt beim Rock abzugucken vom Electro gelernt hat.

Erinnerungen an Yello und Kraftwerk drängen sich auf, wenn im Opener „Chop Chop“ synthetische Klänge auf schrammelnde Gitarren treffen, die von einem stählernen Schlagzeug angefeuert werden. Go March hat sich bei diesen und anderen Meistern anscheinend inspirieren lassen, wie scheinbar geradlinige Songs von kleinsten Dynamikänderungen profitieren. Unscheinbar entwickelt sich „Chop Chop“ von der ersten Minute an stetig weiter und endet als gänzlich anderer Song, ohne einen Bruch erkennen zu lassen. Technisch gesehen ist Go March hier eine Perle gelungen.

Dieser Fortschritt lässt sich, so viel sei vorweg verraten, das komplette Album über beobachten. „Morris More“ ist gewissermaßen Go Marchs Emanzipation von den klaren Vorbildern im Opener und ein Fingerzeig zurück Richtung Rock. Organisch bringt die Band Electro und Rock zusammen und sorgt für fiebrig pulsierende Untermalung.Wenn die Schlagzahlen wie in „Leopolderson“ und „Meristem“ heruntergefahren werden, leidet die Schubkraft des Albums etwas, aber bei aller Geradlinigkeit verlieren sich Go March auf „II“ nicht mehr in Eintönigkeit. Teils darf ihnen vorgeworfen werden, dass Lieder sich gerne durch ein explosives Finale retten und ein Schema F erkennen lassen, doch das Schema funktioniert in dieser Form zumindest gut.

Letztendlich ist die zu vorsichtige Albummitte der Grund für eine mittelmäßige Bewertung, doch zwei Tatsachen machen in Hinsicht auf „II“ viel Mut. Auf der neuen Go-March-Scheibe ist keine Ausschussware mehr. Die Band hat ihr Niveau merklich angehoben. Zusätzlich hat sich die Band nicht einfach im Mittelfeld etabliert, sondern mit „Chop Chop“, „Morris More“ und „Bark“ ihr bislang stärkstes Material veröffentlicht, das teils unverhofftes Potenzial erkennen lässt. Für die Band und besonders für Fans instrumentaler Rockmusik mit Electro-Einflüssen ist das fast schon ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk.

Anspieltipps:

  • Chop Chop
  • Morris More
  • Bark

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