Muse - Simulation Theory - Cover
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Muse Simulation Theory


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 42 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Willkommen im Cyberspace! Oder zumindest das, was Muse dafür halten.

Die britische Rock-Formation Muse – Matt Bellamy (Gesang, Gitarre, Keyboards), Chris Wolstenholme (Bass) und Dominic Howard (Drums) – hat es endlich geschafft, die Arbeit an ihrem achten Studioalbum abzuschließen, die sich seit Ende 2016 hinzog und immer wieder durch Tour-Aktivitäten unterbrochen wurden. Das Werk mit dem futuristisch anmutenden Titel „Simulation Theory“ erscheint knapp 3½ Jahre nach dem „Drones“-Album (06/2015) und wurde in den AIR Studios in London aufgenommen. Die Band selbst hat den Longplayer produziert, holte sich allerdings externe Hilfe von den gestandenen Studioprofis Rich Costey (u.a. Frank Turner, Biffy Clyro, Foster The People), Mike Elizondo (u.a. Mastodon, P!nk, Nelly Furtado), Shellback (u.a. Maroon 5, Avril Lavigne, Britney Spears) und Timbaland (u.a. Jay-Z, Madonna, Rihanna).

Die Wahl der Produzenten zeigt, dass das Trio längst nicht mehr nur in seiner eigenen, progressiven Rockwelt zuhause ist, sondern längst damit begonnen hat, über den musikalischen Tellerrand hinauszuschauen. Damit sind Muse im Laufe der vergangenen Jahre zur weltweit anerkannten Stadionband gewachsen, die trotz verschwurbelter Konzeptideen für ihre Alben auch im Mainstream angekommen ist. Dementsprechend erscheint „Simulation Theory“ für jede Art von Hörer: Dem Otto-Normal-Verbraucher wird die Standardversion mit elf Songs reichen, der Fan muss mindestens die Deluxe-Version mit 16 Tracks haben und die Hardcore-Fangemeinde kann sich im Bandstore mit der Super-Deluxe-Ausgabe (21 Stücke auf Doppel-CD und Doppel-Vinyl) eindecken.

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„Simulation Theory“ beginnt mit düsteren, weltraumartigen Synthesizer-, Streicher- und Keyboard-Sequenzen (Stichwort: Captain Future), als wären Jean-Michel Jarre und Queen zu Gast in den AIR Studios gewesen. Muse hatten eben schon immer eine große Vorliebe für opulent-ausladende Sound-Landschafen, theatralische Chöre und Dicke-Hose-Produktionen. Damit steht die Band zwar immer mit einem Bein im Kitsch, doch sie selbst hat bis jetzt immer wieder beweisen können, dass sie diesen Spagat geschmackvoll lösen kann. Im Fall von „Simulation Theory“ fällt ihr dies aber schwerer als zum Beispiel zu „Absolution“-Zeiten (09/2003).

Ein paar Queen-Gitarren und -Chöre alleine machen schließlich noch keinen Klasse-Song aus („Pressure“). Schwülstige Prince-Anleihen mit 80s-Funk und Falsett-Gesang („Propaganda“), beziehungsweise Rap-Parts („Thought Contagion“) sowie Breakbeats und Scratches sind ebenfalls kein Freibrief, um sich auszuruhen („Break it to me“). Denn irgendwo steht ja auch noch das Verlangen des Hörers nach Riffs und Melodien, solange sich Muse eine Rockband nennen. Doch dieser Anspruch scheint irgendwo auf der Produktionsstrecke von „Simulation Theory“ verlorengegangen zu sein.

So dümpeln die elf Songs des Albums zumeist ziellos im blanken Durchschnitt, der nur durch die High-End-Produktion aufgewertet wird. Doch aus diesem Grund kauft sich niemand ernsthaft eine teure CD. Heruntergeladener Datenmüll lässt sich dagegen leicht mit einem Mausklick entfernen. In diesem Sinne: Willkommen im Cyberspace!

Anspieltipps:

  • Pressure
  • Blockades
  • Get up and fight
  • Something human
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