Schiller - Morgenstund - Cover
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Schiller Morgenstund


  • Label: Zukunftsmusik/Sony Music
  • Laufzeit: 81 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Morgenstund hat Gold im Mund. Das Schiller Elektronik-Universum lebt auch nach 20 Jahren weiter.

Das Jahr 2019 steht ganz im Zeichen des 20-jährigen Schaffensjubiläum von Schiller alias Christopher von Deylen (48), der sich als eine Art Botschafter elektronischer Musik aus deutschen Landen einen Namen gemacht hat. Er verkaufte mehr als sieben Millionen Alben, strich unzählige Awards ein, füllt weltweit die Konzerthallen und steht in einem intensiven Austausch mit Künstlern unterschiedlicher Genres, die seiner Musik stets neue Einflüsse verliehen haben.

So auch auf Schillers mittlerweile zehntem Album „Morgenstund“, auf dem nicht nur 16 neue Stücke zu hören sind, sondern auch Kollaborationen mit Tangerine Dream, Nena, Schwarz, Giorgio Moroder, Mike Rutherford (Genesis), Gary Wallis (Pink Floyd), Doug Wimbish (Living Colour), Rebecca Ferguson, Jan Blomqvist, Yalda Abbasi sowie Oliver Rohrbeck alias „Justus Jonas“ und Andreas Fröhlich alias „Bob Andrews“ von den Drei Fragezeichen.

Der eigentlich für eine Veröffentlichung im Herbst 2018 vorgesehene Nachfolger des „Future“-Studioalbums (02/2016), dem Live-Werk „Zeitreise“ (12/2016) sowie der gleichnamigen Best-Of-Kopplung, mit der das Vertragsverhältnis mit Universal Music beendet wurde, soll eine musikalisch Hommage an das Leben darstellen, für die Schiller zur Inspiration erneut durch die halbe Welt gereist ist und ihn u.a. in der iranischen Hauptstadt Tehran Halt machen ließ.

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Diese Trips haben zwangsläufig auf die aktuellen Klanglandschaften Schillers abgefärbt, die sich dennoch traditionell zwischen Ambient-Sounds, Pop-Anleihen und esoterischem New-Age-Electro inklusive Naturklängen (Vogelgezwitscher, Wellenrauschen) bewegen. Die einen nennen dies den typischen „Signature Sound“ Schillers, die anderen schütteln verständnislos den Kopf, wenn dieses Spiel auf „Morgenstund“ bis an die physikalischen Grenzen des aussterbenden Mediums einer CD getrieben wird.

So ist „Morgenstund“ wieder einmal ein Drahtseilakt zwischen Kitsch und Kunst, bei dem sich mit Tracks wie „Berlin Tehran“, „In between“ oder auch „Lichtjahre“ ein paar wenige Höhepunkte herauskristallisieren, die in verschwurbelte Spoken-Word-Parts der Herren Fröhlich und Rohrbeck in Verbindung mit reichlich seichten Melodien und Texten eingebettet wurden. Will heißen: Wer schon früher einen Bogen um die Musik Schillers gemacht hat, wird auch von „Morgenstund“ nicht überzeugt werden.

Dabei muss Christopher von Deylen zugutegehalten werden, dass die Songs nicht wie auf dem Vorgänger („Future“) hölzern zusammengebastelt klingen, sondern wie aus einem Guss über den Hörer ausgebreitet werden, der es sich mit „Morgenstund“ völlig unaufgeregt in der Lounge gemütlich machen kann.

Anspieltipps:

  • Avalanche
  • In between
  • Lichtjahre
  • Morgenstern
  • Berlin Tehran
  • Credit Header-Bild: Schiller Factory

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