Charles Bradley - Black Velvet - Cover
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Charles Bradley Black Velvet


  • Label: Daptone Records
  • Laufzeit: 37 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
4/10 Leserwertung Stimme ab!

Pünktlich zum 70. Geburtstag gibt es ein posthumes Album von Charles Bradley.

Was für einen Herbst des Lebens hat Charles Bradley erlebt. Die Musik stets an seiner Seite hauste er während seiner Kindheit in ärmlichen Verhältnissen, lebte auf den Straßen Brooklyns, arbeitete als Koch und schlug sich als James-Brown-Imitator durch. Dann im Alter von 62 Jahren erscheint endlich sein nicht mehr für möglich gehaltenes Debütalbum „No Time For Dreaming“, welches Kritiker wie Hörer gleichermaßen begeisterte. Vor zwei Jahren gelang dem „Screaming Eagle Of Soul“ seine bis dato beste Scheibe „Changes“. Im letzten Jahr dann die traurige Nachricht, dass Charles Bradley seinem Magenkrebsleiden erlegen ist.

Wie in der Musikindustrie üblich erscheint nun mit „Black Velvet“ das Vermächtnis von Charles Bradley, fast genau an dem Tag, der sein 70. Geburtstag gewesen wäre. Die Songs wurden während der Studiosessions zu seinen bisherigen drei Alben aufgenommen, warum allerdings das Nirvana-Cover „Stay Away“ und Bradleys Version des Neil-Young-Klassikers „Heart Of Gold“ auf „Black Velvet“ erscheinen, wirft Fragen auf, sind es doch dieselben Versionen vom Debüt. Für ein ganzes Album scheinen die Outtakes wohl nicht gereicht zu haben. Der Titelsong seines zweiten Albums „Victim Of Love“, dort akustisch gehalten, wird immerhin in einer elektrifizierten Version dargeboten und zeigt wie der Song mit der kompletten Menahan Street Band klingt.

Dass es sich bei den Songs auf „Black Velvet“ nicht nur um Outtakes oder Ausschussware handelt macht allerdings direkt der Opener „Can’t Fight The Feeling“ deutlich. In der flotten Soulnummer röhrt Charles Bradley über die Irrungen und Wirrungen der Liebe und zeigt wie einfach es sein könnte, wenn er singt „if i want you and you want me, baby, tell me, what have we got to lose?“ Das intensive und impulsive „I Feel A Change“ ist wohl das Highlight der Platte und erzeugt Gänsehautstimmung. Eine funky-angehauchte Basslinie, dazu dezent eingesetzte Gitarren und prägnante Bläser zeigen Bradley und die Menahan Street Band in diesem beinahe düsteren Midtempo-Soul von ihrer stärksten Seite.

Der Titelsong kommt als Instrumental daher, da Bradley seinen Gesang hierzu nicht mehr beisteuern konnte, „Fly Little Girl“ ist eine bittersüße Semiballade, wenn auch etwas flotter gehalten. Das angefunkte „Luv Jones“ leidet an seinem Neo-Soul-Sound und auch „(I Hope You Find) The Good Life“ wirkt irgendwie ziellos. Diese beiden Songs fallen deutlich ab. Trotzdem geht „Black Velvet“ als posthumes Album in Ordnung. Bei dem ein oder anderen Song merkt man, warum er nicht mit auf das jeweilige Album genommen wurde, aber allein „I Feel A Change“ rechtfertigt den Kauf dieses Albums.

Anspieltipps:

  • Can’t Fight The Feeling
  • I Feel A Change
  • Victim Of Love

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