AnnenMayKantereit - Schlagschatten - Cover
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AnnenMayKantereit Schlagschatten


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 53 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
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Den Straßenmusiker-Charme legten AnnenMayKantereit mit ihrem Majordebüt schnell ab. Diesen holen sie sich mit „Schlagschatten“ etwas zurück, doch zum großen Wurf reicht es nicht.

Vor drei Jahren versuchte uns die Major-Musikindustrie mit dem Kölner Indie-Pop-Quartett AnnenMayKantereit das nächste große Ding der hiesigen Popmusiklandschaft zu verkaufen und die Mainstream-Hörerschaft ließ sich bereitwillig auf den Hype ein. Mit dem im März 2016 veröffentlichen, von Moses Schneider (Dendemann, Beatsteaks, Kante, Fehlfarben, Turbostaat) „Alles nix Konkretes“-Album erreichten Henning May (Gesang, Klavier), Christopher Annen (Gitarre), Malte Huck (Bass) und Severin Kantereit (Drums) tatsächlich den ersten Platz der deutschen Album-Charts, die sie satte 130 Wochen lang (!) bevölkerten und am Ende mit Dreifach-Gold für mehr als 300.000 verkaufte Einheiten verließen. Ein seltener „von null auf hundert“-Fall, der nun irgendwie fortgesetzt werden soll, sonst wird aus dem Hype von gestern ganz schnell eine Eintagsfliege.

Von Anfang an wurden AnnenMayKantereit kritisch beobachtet und längst nicht jeder stimmte in die Lobeshymnen ein, die sich die Band mit bis zu 120 Auftritten pro Jahr hart erarbeitet hat. Irgendwo vermuteten insbesondere Pressevertreter und die Fans der Ex-Indie-Kapelle AnnenMayKantereit einen übergroßen Einfluss der Plattenfirma, die sich mit den Kölnern für viel Geld einen neuen Goldesel zurechtgeschnitzt hatte, der nach ihrer Pfeife tanzt. Vielleicht war es aber auch einfach nicht erklärbar, warum diese vier Jungs aus der Domstadt mit ihrem unscheinbaren Pop so erfolgreich sein konnten.

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Mit „Schlagschatten“ gehen AnnenMayKantereit nun also in die nächste Runde. Das Album erscheint keine drei Wochen vor Weihnachten und kommt wie schon der 2016er Vorgänger wieder als luxuriöse Holzkiste in den Handel, die sich als Chart-Turbo bewehren soll, da diese Absätze höher gewichtet werden, als die herkömmlicher CDs oder gar Downloads und Streams. Die meisten Songs entstanden in den vergangenen zwei Jahren, wurden aber nicht wie üblich live getestet. Vielmehr begab sich die Band mit den unfertigen Grundgerüsten für vier Wochen in die Abgeschiedenheit eines kleinen spanischen Dorfes, um sie dort aufzunehmen.

Als Produzenten holten sich AnnenMayKantereit diesmal mit Markus Ganter (u.a. Dagobert, Casper, Sizarr, Muso, Tocotronic, Drangsal) einen jungen, hippen Mann ins Studio, der nach Meinung der Band besser zum neuen Aufnahmeprozess passte. Dieser fördert nun ein 14 Songs umfassendes Werk hervor, auf dem die ruhigen Momente dominieren („Sieben Jahre“, „Alle Fragen“) und dabei deutlich besser funktionieren, als die auf „Alles nix Konkretes“. Bäume reißen die Kölner dennoch auch heuer nicht aus. Dazu sind ihre Songs einfach zu unscheinbar und wirken dabei relaxt und verspielt wie eine Mischung aus Dave Matthews, Mumford & Sons und Jack Johnson („Jenny Jenny“, „In meinem Bett“, „Du bist anders“).

Nur einmal wecken AnnenMayKantereit echte Aufmerksamkeit, wenn sie im rockigen Stück „Freitagabend“ wie eine Fanboy-Ausgabe der Libertines klingen, ohne den Hörer damit peinlich zu berühren. Der Rest bleibt, wie gesagt, relativ blass, auch wenn man den Musikern das Handgemachte ihrer Musik zugutehalten muss und der Kelly-Family-Effekt der frühen 90er Jahre nicht mehr so ausgeprägt ist, wie zu den Zeiten ihres Majordebüts.

Anspieltipps:

  • Marie
  • Schon krass
  • Sieben Jahre
  • Freitagabend
  • Du bist anders
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