Böhse Onkelz - 30 Jahre Kneipenterroristen - Cover
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Böhse Onkelz 30 Jahre Kneipenterroristen


  • Label: Matapaloz/TONPOOL
  • Laufzeit: 48 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7/10 Leserwertung Stimme ab!

Mütter, sperrt die Töchter ein, die Onkelz kommen in die Stadt!

Sie sagten einst „Adios“ (07/2004) und kündigten an, nie mehr wiederzukommen. Aber dann kamen sie doch zurück und versprachen „Wir bleiben“ (09/2015). So lassen sich knapp zehn Jahre Auszeit der ehemaligen Skandal-Rockband Böhse Onkelz im Zeitraffer zusammenfassen. Mit „Memento“ (10/2016) gab es dann das großankündigte Comeback Album, das am Ende nur durchschnittlich ausfiel, den Onkelz aber die Gelegenheit gab, lukrative Konzerte und Festivals zu spielen. So gehören Kevin Russell (Gesang), Stephan Weidner (Bass), Matthias Röhr (Gitarre) und Per Schorowsky (Drums) längst wieder zum Tagesbild der deutschen Rockmusik und werden einen Teufel tun, ihren komfortablen Status aufs Spiel zu setzen.

Oder vielleicht doch? Denn bevor vielleicht schon im nächsten Jahr eine neues Studioalbum eingespielt wird, haben die Onkelz ein weiteres Mal nachträglich Hand an einen ihrer Klassiker gelegt. Denn nachdem die Band bereits im November 2007 eine Neueinspielung des „Onkelz wie wir“-Albums herausbrachte, das ursprünglich 1987 auf den Markt kam, vor allem rechtliche Probleme beenden sollte und zudem den räudigen Klang des Originals geraderückte, heißt es heute „30 Jahre Kneipenterroristen“.

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„Kneipenterroristen“ ist das vierte Studioalbum in der Geschichte der Böhsen Onkelz. Das Originalerschien am 10. Oktober 1988 und wird heute rückblickend als „Ein langer, farbenfroher, manchmal etwas gruseliger Rausch zwischen Wahnsinn und Wut, Horror und Humor“ bezeichnet. In diesen Rausch haben sich die Onkelz nun, 30 Jahre später, ein weiteres Mal versetzt und mit der Routine und dem Können von heute sowie der aktuellen Studiotechnik „30 Jahre Kneipenterroristen“, ergänzt um die Bonussongs der „Lügenmarsch“-EP, eingespielt.

So stellen die Onkelz „30 Jahre Kneipenterroristen“ als betont hochpreisigen Artikel in die Läden (Stichwort: Box-Set!), der deutlich macht, wie eine Band mit jahrzehntlanger Live-Erfahrung in den größten Arenen dieses Landes, 30 Jahre altes Material heute angeht. Der jugendliche Wahnsinn von damals konnte dabei freilich nicht konserviert werden. Dem entgehen stehen nun eine „saubere“ Produktion, die sich dennoch auf die Fahnen geschrieben hat, soviel wie möglich vom alten 1988er Spirit zu bewahren. Denn ganz gewiss können Weidner, Röhr und Co. heute wesentlich mehr als früher an ihren Instrumenten. Doch darum geht es bei „30 Jahre Kneipenterroristen“ nicht.

Die Böhsen Onkelz erhalten auf diese Weise den Metal- und Punk-Einschlag der 80er Jahre und zelebrieren Live-Klassiker wie „So sind wir“, „Ein guter Freund“ oder auch „Nie wieder“ auf aktuellem Niveau. Die Frage, ob es so eine Neueinspielung wirklich gebraucht hätte, wird dadurch allerdings beantwortet. Denn wo kämen wir eigentlich hin, wenn jede große Band ihre Klassiker neu einspielen würde? Der Sinn erschließt sich nicht wirklich und kann einzig und allein nur aus kommerziellem Grund bestehen. Dieser soll allerdings nicht den Status der ursprünglichen Kompositionen schmälern, die der Fan auch heute noch gerne hört – Re-Release hin oder her.

Anspieltipps:

  • Nie wieder
  • Guten Tag
  • So sind wir
  • Freddy Krüger
  • Tanz der Teufel
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