Herbert Grönemeyer - Tumult - Cover
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Herbert Grönemeyer Tumult


  • Label: Vertigo/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 49 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende
3.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Der Tumult hält sich in Grenzen. Herbert Grönemeyer serviert seinen Hörern das, was sie von ihm erwarten.

Vier Jahre nach dem mehr als 500.000 Mal verkauften „Dauernd jetzt“-Album (11/2014), meldet sich Herbert Grönemeyer (62) mit seinem inzwischen 15. Longplayer namens „Tumult“ rechtzeitig für das absatzstarke und lukrative Weihnachtsgeschäft zurück. Zwar sind auch bei einem Superstar wie Herbert Grönemeyer die Verkaufszahlen in den vergangenen 15 Jahren signifikant zurückgegangen, doch das liegt nicht nur an einem stark veränderten Musikmarkt, sondern auch an der weniger eingängig gestalteten Musik des gebürtigen Göttingers. Seine Fans halten ihm dennoch die Treue und so werden die fehlenden Einnahmen aus den Plattenverkäufen durch ausgiebige Tourneen wieder reingeholt.

Dass „Tumult“ ausgerechnet am geschichtsträchtigen 9. November erscheint, ist bei einem politischen Menschen wie Herbert Grönemeyer, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält, gewiss kein Zufall, auch wenn er es so darstellt. Denn nachdem „Dauernd jetzt“ inhaltlich und musikalisch eher mittelprächtig ausfiel, hat der 62-Jährige nun wieder etwas zu sagen. Mit einem Blick auf die Wahlergebnisse der vergangenen Monate und den politischen Strömungen in diesem Land, war klar, dass Herbert Grönemeyer irgendwann darauf reagieren würde. Dazu erfindet er seine Musik freilich nicht neu. Diese entstand erneut mit seinem langjährigen Partner Alex Silva. Doch was die Texte betrifft, bezieht Herbert Grönemeyer Stellung – selbst, wenn dies beim ersten Hördurchgang vielleicht nicht auf Anhieb deutlich wird.

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Grönemeyer fällt nicht mit der Politkeule auf seine Hörer ein. Seine Anmerkungen sind eher subtiler Natur und werden auch nur punktuell angebracht, wie etwa in dem Song „Doppelherz / İki Gönlüm“ im Duett mit dem Rapper BRKN, in dem zu HipHop-Beats deutsch und türkisch gesungen wird. Nichtsdestotrotz ist „Tumult“ musikalisch ziemlich vorhersehbar. Oder anders ausgedrückt: Grönemeyer serviert seinen Hörern das, was sie von ihm erwarten. So gibt es epische Schmachtstücke („Sekundenglück“), düsteren Elektro-Pop („Leichtsinn und Liebe“), federleichten Schunkel-Pop („Taufrisch“) und immer wieder diese typischen Grönemeyer-(Halb-)Balladen in den verschiedensten stilistischen Facetten („Meine Lebensstrahlen“, „Fall der Fälle“, „Der Held“, „Warum“, „Verwandt“, „Wartezimmer der Welt“).

Unterm Strich findet auf Grönemeyers aktuellem Album relativ wenig Tumult statt. Die Grundstimmung ist überwiegend getragen und melancholisch und passt damit sehr gut in die herbstliche und bevorstehende besinnliche Weihnachtszeit. Dementsprechend verlangt das Album nach einer gewissen Aufmerksamkeit, damit es seine volle Wirkung erzielen kann. Erst dann kristallisieren sich einige schöne Ideen und tolle Melodien heraus, die zwar das eine oder andere Füllmaterial nicht kaschieren können, aber am Ende ein Album auf gutem Niveau zu Buche stehen lassen.

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