Silke Hauck - Running Scared - Cover
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Silke Hauck Running Scared


  • Label: 7jazz/Membran
  • Laufzeit: 61 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
9/10 Leserwertung Stimme ab!

„Running Scared“ ist ein gescheiterter Versuch an groß angelegter Pop-Musik.

Am Ende bricht alles auf den Fluss der Musik herunter. Wer die Fehler an Silke Haucks neuem Album „Running Scared“ sucht, wird zwar auch im Großen fündig, doch der Kern der Kritik liegt im Fundament ihrer Musik. Vorneweg sei gesagt, dass Hauck aus relativ wenig viel zu machen versucht. In Liedern wie „Running Scared“ und „Liar“ verstecken sich strukturell große Hymnen, die in Stadien gespielt werden wollen. Und doch wird gerade bei letzterem Stück deutlich, dass Hauck etwas Grundlegendes für überdurchschnittliche Musik vermissen lässt: ein Gefühl für den Fluss ihrer Worte.

Auch wenn der Vergleich denkbar ungünstig und unfair erscheint, liegt der Schlüssel zu dieser Kritik in einem Lied wie „Rolling In The Deep“ von Adele. Nicht weil der Song erfolgreich war, sondern weil er die Verkörperung einer einfach gestrickten Hymne ist, die über Gefühl und Darbietung überragt. Wie Adele in der Bridge von Wort zu Wort gleitet und dabei die Intensität fließend steigert, ist die große Kunst der Sängerin. Für eine solche Darbietung sind gutes Songwriting und ein Verständnis der eigenen Zeilen nötig, das noch dazu nach außen getragen werden will. In „Liar“ lässt sich erahnen, dass Hauck etwas Ähnliches vorhat, aber immer wieder werden anscheinend die falschen Worte betont und im Chorus überfällt Hörer das unschöne Gefühl, dass Musik und Gesang nie komplett zusammenfinden.

Dieser Vorwurf zieht sich durch das komplette Album und was im Detail hier und da wie im Titeltrack zu entschuldigen ist, macht Lieder wie „Wild Und Frei“ kaputt. Überhaupt lässt sich nicht beobachten, dass Hauck im Deutschen ein besseres Gefühl für die Texte bekommt. Im Club-Mantel von „Wild Und Frei“ stolpert die Sängerin durch einige Zeilen, die gänzlich unnatürlich klingen. Überhaupt entzaubert das letzte Drittel die vorangegangene Musik auf unglückliche Weise. Die deutschen Ausfälle offenbaren endgültig, dass Silke Hauck keine passenden Vorstellungen für ihre Musik findet. Nach einer guten Stunde hat sich „Running Scared“ als unzusammenhängende Songansammlung dekonstruiert und gefällt über einzelne Ausnahmen, während die Grundlage des Albums diese Musik unweigerlich zurückhält.

Anspieltipps:

  • Running Scared
  • This Ain’t No Love (Blizz Mix)
  • Liar

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