LP - Heart To Mouth  - Cover
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LP Heart To Mouth


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
5.9/10 Leserwertung Stimme ab!

LP findet sich unter dem zweischneidigen Prädikat „Radio-Liebling“ wieder.

LP, bürgerlich Laura Pergolizzi, hat es mit ihrem neuen Album „Heart To Mouth“ nicht leicht und gleichzeitig scheint der Erfolg garantiert. LPs Musik ist wie für nicht aneckende Radiostationen gemacht. Gleichzeitig ist die leicht gepresste, aber volle Stimme der New Yorkerin unangepasst genug, dass sie in Erinnerung bleibt. Ihre Songs lassen sich auf und ab spielen, ohne dass sich je ein Hörer gestört fühlt. Die entscheidende Frage ist dabei, wie bei so vielen Pop-Sternen, ob die Musik überhaupt Emotionen hervorruft.

Um diesen Ängsten Paroli zu bieten, lässt sich LP auf keinerlei Risiken ein und verschießt ihr Pulver von Beginn an. „Dreamcatcher“ und „When I’m Over You“ dürfen sich auch bei relativ generischen Themen über die Bezeichnung „gute Popmusik“ erfreuen. Hier treffen sich leichte Zugänglichkeit und gute Melodien, die durch LPs Stimme ihr Markenzeichen erhalten. Klar könnten diese Lieder ansonsten auch von irgendeiner anderen Sängerin stammen. Das hebt auf der einen Seite die Stimme als Stärke hervor, offenbart aber auch, dass die hübsch gemachten Popsongs am Ende des Tages etwas Eigenständigkeit vermissen lassen.

Wo „Girls Go Wild“ mit einer tanzbaren Bassline und „Recovery“ mit berechnend schön trauriger Thematik punktet, fehlt vielen Liedern der letzte Schritt, um sich vom guten Radioklang zu lösen. Das ist zwar Kritik auf hohem Niveau, aber der leicht vorgefertigte, glatte Eindruck von Musik, die wir meist vom Radio erwarten, verschwindet nie vollends. Das hat selbst Adele schon Punkte gekostet, die ebenfalls für ihren Radio-kompatiblen Sound bekannt ist.

Die Kunst, zwischen Eigenständigkeit und sauberem Klang zu wandeln, ist eine, wenn nicht die größte. Sobald LP sich auf „Heart To Mouth“ zum Beispiel mit „The Power“ und „Special“ etwas aus den sicheren Gefilden der Garantie-Hits traut, geht den Liedern die Chart-Sogkraft abhanden. Dahinter finden Hörer nur noch wenig, weswegen auf „Heart To Mouth“ weniger Mut belohnt wird. Zum Etablieren eines Rufs ist die eingängige Musik auf diesem Werk jedoch sehr wahrscheinlich genau das Richtige.

Auch ohne die ganz besondere Note findet LP mit ihrem Gespür für eingängige Pop-Melodien einen direkten Weg in die meisten Gehörgänge. Dass dabei nicht gleich alles mitten ins Herz trifft, ist daher eine ertragbare Einschränkung. Solange sie wie in „Hey Nice To Know Ya“ weiter scheinbar mühelos selbst mit einfachsten Mitteln Ohrwürmer kreiert, dürfte LPs Karriere gesichert sein.

Anspieltipps:

  • Dreamcatcher
  • When I’m Over You
  • Hey Nice To Know You

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