The Day - Midnight Parade - Cover
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The Day Midnight Parade


  • Label: Sinnbus/Rough Trade
  • Laufzeit: 44 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
6.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Einfühlsamer, feingesponnener Pop für Jedermann.

The Day ist ein Duo, das aus Laura Loeters aus Utrecht (Niederlande) und Gregor Sonnenberg aus Hamburg (Deutschland) besteht. Kennengelernt hat sich das Paar am „Hogeschool voor de Kunsten“ Konservatorium in Arnheim (Niederlande). Sie haben zusammen einen Dream-Pop konzipiert, der sich an ihre unterschiedlichen musikalischen Ansätze, Vorstellungen und Perspektiven annähert. Das schließt Erfahrungen aus dem Post-Punk, dem Alternative-Rock und Synthie-Pop mit ein. Laura spielt in diesem Gefüge Bass und singt, Gregor übernimmt bis auf das Schlagzeug den Rest, also hauptsächlich Keyboards und Gitarre. Nach zwei in Eigenregie entstandenen EPs erscheint jetzt das erste Album, das den adretten Pop in Langform präsentiert.

Harmonieverwöhnt begleitet uns „Island“ und verleitet zum Träumen und Sinnieren. Der Track schmeichelt, ist zutraulich, baut Vertrauen auf und spielt mit der Wirkung der Verzückung durch sinnlich schwelgende Töne. Domestizierte Rhythmik bringt „Where The Wild Things Are“ dazu, dezent tanzbar und gleichzeitig romantisch zu sein. Billig klingende Synthesizer, angedeutete Latin-Grooves und schicke Gitarren-Akkorde verleihen dem mondän wirkenden Yacht-Rock von „Grow“ einen gepflegten Anstrich. „Yet To Come“ wirkt dagegen eher schüchtern, sensibel und traurig. Gediegener, langsamer Alternative-Rock bildet dann die Grundlage von „Exit Sign“. Das Stück groovt in mittlerem Tempo und findet eine passende Heimat zwischen versonnener Ballade und unaufgeregtem Adult-Pop.

„We Killed Our Hearts“ fängt die Rhythmik von The Police („Message In A Bottle“) und die Melodik von Boy („Little Numbers“) ein. „Berlin“ bietet anschließend über sieben Minuten hinweg genüssliche Intimität und eine weitläufige Melodieführung. Wohlwollend und gutmütig plätschert „The Years“ dahin und „Illuminate“ ist süßer Kitsch, der so tut, als sei er subversiv. Etwas experimentierfreudiger sind die kurzen, eingestreuten Zwischenspiele („The Golden Glow“, „Gravity Has Played Its Part“, „I Drew A Map“ und „Folded Paper Planes“) ausgefallen, ohne dass sie dabei für verstörende Dissonanzen sorgen.

Der Anti-Stress-Gesang von Laura Loeters ist verführerisch wie Schokolade. Aber zu viel davon kann auch zu Verstimmungen führen. Die Stimme wirkt in kleiner Dosierung betörend, über mehrere Stücke hinweg sehr angenehm und in voller Ausprägung sättigend. Die durchlässige Poesie setzt sich dabei wie ein feiner Nebel auf den zurückhaltenden Alternative-Rock der Instrumentalisten. The Day erschafft kompetente, moderne, radiotaugliche, sanft laszive Pop-Musik mit ansprechenden Melodien, die unangestrengt ins Ohr gehen und sich dort auch ab und zu länger aufhalten. Den Tonfolgen fehlt ein wenig der Überraschungseffekt. Das liegt aber nur daran, dass die Möglichkeiten dieses Genres schon ziemlich ausgereizt und abgegrast sind. Zumindest ist das im Bereich der teilsynthetischen, friedvoll-lieblichen Seite so, auf der sich das Duo gerne tummelt. Es gibt in diesem Segment allerdings einige hübsche Akkordfolgen zu hören. An dieser Musik ist nämlich überhaupt nichts störend, die Lieder erschließen allerdings auch keine neuen Erfahrungsebenen.

Anspieltipps:

  • Island
  • Where The Wild Things Are
  • Exit Sign
  • We Killed Our Hearts
  • Berlin

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