Lena - Only Love, L - Cover
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Lena Only Love, L


  • Label: Polydor/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 45 Minuten
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4.5/10 Unsere Wertung Legende
6/10 Leserwertung Stimme ab!

„Only Love, L“ war eine schwere Geburt. Nach einer kreativen Krise und mehrfachen Verschiebungen, liegt das Ergebnis nun endlich vor.

Eigentlich war die Veröffentlichung des neuen Lena-Longplayers „Only Love, L“ schon für Herbst 2017 angepeilt. Sogar eine Konzertreise war bereits gebucht. Doch der kreative Prozess für den „Crystal Sky“-Nachfolger (05/2015) mit dem Arbeitstitel „Gemini“ lief nicht wie erhofft. Trotz der Vorabsingle „If I wasn’t your daughter“ (06/2017, Platz 35 in den Charts) wurde das Projekt eingestellt, Lena nahm sich eine lange Auszeit und bereits aufgenommenes Material landete in der Giftkammer. Auch ein zweiter Termin für Album und Tour musste verschoben werden, sodass inzwischen fast vier Jahre nach dem letzten Lena-Studiowerk vergangen sind.

Die Promotion für „Only Love, L“ begann im Herbst des vergangenen Jahres mit der Veröffentlichung der Single „Thank you“ (11/2018), die sich erstaunliche 17 Wochen in den deutschen Charts hielt, aber nicht über Platz 40 hinauskam. Damit einher begann eine Vermarktung über die Netzwerke der sozialen Medien, um die Spannung bis zum Tag X auf den Höhepunkt zu treiben. Dabei fiel insbesondere die Zurschaustellung auf Lenas Instagram-Kanal auf, die – stets sehr körperbetont – der alten Regel „Sex sells“ folgt und selbst von Lena-Fans kritisch beäugt wird.

Also verlassen wir diese Nebenschauplätze ganz schnell wieder und befassen wir uns mit der Musik, die sich auf allen Lena-Alben einer stetigen Entwicklung unterzogen hat, egal, ob man diese nun positiv oder negativ empfindet. Stillstand und Erfolgsverwaltung kann der 27-Jährigen jedenfalls nicht vorgeworfen werden. Deshalb verwundert es nicht, dass der Lena-Sound immer mehr in Richtung internationaler Gefilde steuert und Namen wie Dua Lipa, Selena Gomez, Iggy Azalea und Billie Eilish als Vergleich genannt werden.

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Inhaltlich soll „Only Love, L“ ein Blick in die Seele der Sängerin sein, dies sich vor gar nicht langer Zeit von ihrem Freund getrennt hat und allein deshalb viele persönliche Elemente in die Texte einfließen ließ. Ehrliche Selbstreflexion in der großen Show-Welt der Popmusik? Sicher eine grenzwertige Sache. So fällt ein Song wie „Sex in the morning“ natürlich besonders auf, der vielleicht bewusst provozieren und polarisieren soll, aber nichts mehr mit der jungen, naiven Lena von vor zehn Jahren zu tun. Das macht es dem Hörer doppelt schwer, zumal auch Lenas Gesangsleistung nicht zu diesem schwülstigen R&B-Thema passt. Dazu lässt sich die Hannoveranerin zu oft in viel zu hohe Töne treiben, die ihr einfach nicht stehen.

Dabei ist die Studiomannschaft um Lena gar nicht mal so neu. „Only Love, L“ entstand zusammen mit dem Berliner Produzententeam Beatgees (Tim Bendzko, Namika, Cro, Alice Merton, Sido) sowie Songwritern wie Joe Walter (Stefanie Heinzmann, Wincent Weiss, Peter Maffay, Jennifer Rostock) und Pasqual Reinhardt (Glasperlenspiel, Christina Stürmer, Felix Jaehn, Alvaro Soler), mit der Lena ihren Pop-Sound um R&B-, Dancehall- und HipHop-Elemente erweiterte. Dieser internationale Anspruch wird in Tracks wie „Thank you“, „Don’t lie to me“ oder auch „Private thoughts“ deutlich. Es schwingt aber auch immer das Gefühl mit, dass Lena gewissen Vorbildern nacheifern möchte, so wie sie es bereits mit dem fast schon parodistisch überzeichneten englischen Akzent in „Satellite“ getan hat.

Tja, „Only Love, L“ klingt nun also noch internationaler als „Crystal Sky“ und die Texte sind reifer als früher. Während letzteres durchaus zu begrüßen ist, stellt ersteres leider nur den Tatbestand der Effekthascherei dar, der in einen glitzernden Morast aus oftmals belangloser Musik mündet. Da nützen Prädikate wie modern und zeitgemäß so gut wie gar nichts, wenn sich der Hörer durch 45 Minuten Langeweile quälen muss, in der echte Aha-Momente – Ambitionen hin oder her – kaum vorkommen. Damit wären wir am Ende doch wieder bei der braven Lena, allerdings ohne den Esprit der von Stefan Raab beeinflussten Songs, was irgendwie grotesk klingt, nach all dem Aufwand, der in „Only Love, L“ steckt. File under: Singende Social-Media-Influencerin.

Anspieltipps:

  • Love
  • Scared
  • Thank you
  • Don’t lie to me
  • Sex in the morning
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