Dido - Still On My Mind - Cover
Große Ansicht

Dido Still On My Mind


  • Label: BMG Rights Management
  • Laufzeit: 45 Minuten
Artikel teilen:
4/10 Unsere Wertung Legende
4.5/10 Leserwertung Stimme ab!

„Still On My Mind“? Eher nicht. Dennoch lässt sich der Hörer von Dido für einen kurzen Nostalgie-Trip an die Hand nehmen. Der guten alten Zeiten wegen.

Sechs lange Jahre hat Dido sich für den Nachfolger des zu Unrecht übersehenen „Girl Who Got Away“-Albums (03/2013) Zeit gelassen. Zeit, in der sie sich ausgiebig um ihre Familie gekümmert hat. Der Gedanke an ein neues Album lag in weiter Ferne, kam ihr letztendlich jedoch während eines gemütlichen Spaziergangs durch London. Die Bedingung kam gleich dazu: Ohne ihren Bruder Rollo Armstrong (Faithless) werde sie sich nicht ins Studio begeben. Wie in alten Zeiten eben. Gesagt, getan.

Ein Dutzend neue Stücke haben die beiden für „Still On My Mind“ geschrieben und produziert, wobei „neu“ im Zusammenhang mit Dido dann doch auch gerne „irgendwie bekannt“ bedeutet. Nicht so im Falle des Openers. „Hurricanes“ steigert sich langsam, aber beständig aus schmeichelnden Synthies in ein mitreißendes Gitarrengeschrammel hinein und erinnert nicht nur an dieser Stelle an die besonders guten Stücke von Massive Attack. Ein Novum in Didos Klangkosmos. Hätte sie an dieser Stelle konsequent weitergemacht, hätte ihr ein Comeback à la Neneh Cherry glücken können. Doch leider verlieren sich die restlichen Songs in ihrer eigenen Gefälligkeit, den zu bekannten Zutaten oder zu halbherzigen Experimenten.

„Hell After This“ versucht beispielsweise mit uninspirierten Beats und erschreckend synthetisch klingenden Bläsern auf die Tanzfläche zu locken, auf der man von Didos typisch entspannten Vocals direkt wieder der zum Tanzen benötigten Energie beraubt wird. Aus diesem Kontrast hätte sich bestimmt Spannenderes herausholen können. Bezeichnenderweise sind es am Ende die Balladen, die in ihrem fast schon unverschämten Nostalgiebestreben am meisten überzeugen. „Walking By“ oder „Have To Stay“ schweben und pluckern in bekannter Manier vor sich hin und wissen den Hörer gekonnt einzulullen.

„Some Kind Of Love“ lädt mit akustischer Gitarre zum Schwelgen in Erinnerungen ein und mit „Still On My Mind“ gelingt Dido dann doch noch ein kleines Highlight. Hier wagt sie sich ein letztes Mal aus ihrer eigenen Wohlfühlzone heraus und lässt die Synthesizer über Trap-Beats springen. Ihre Stimme dient als vertrautes Element, dem sich die ungewöhnlichen Einzelteile gerne unterordnen. Eine Erkenntnis, die Dido und ihrem Bruder offensichtlich leider nicht bekannt war oder gekonnt ignoriert wurde. So kann sich der Hörer leider nur der gefälligen Nostalgie hingeben, bevor das Album schon wieder aus dem Gedächtnis verschwunden ist.

Anspieltipps:

  • Hurricane
  • Still On My Mind

Neue Kritiken im Genre „Pop“
5.5/10

What A Time To Be Alive
  • 2019    
Diskutiere über „Dido“
comments powered by Disqus