Rogers - Mittelfinger Für Immer - Cover
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Rogers Mittelfinger Für Immer


  • Label: People Like You Records
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Für den markigen Titel „Mittelfinger für immer“ geht es leider etwas zu handzahm zur Sache.

Düsseldorf scheint seit einigen Jahren eine regelrechte Brutstätte für deutschsprachigen Punkrock zu sein. Klar, Die Toten Hosen kommen auch aus der Hauptstadt Nordrhein-Westfalens, in den letzten Jahren sorgten allerdings eher die Broilers für Aufsehen. Seit 2010 mischen auch Jolly Roger, ab 2013 als Rogers, mit im Punkrockzirkus. Mit „Mittelfinger für immer“ erscheint schon das vierte Album der Düsseldorfer, wobei der Vorgänger „Augen auf“ mit Platz 37 in den Album-Charts und vielversprechende Tourneen und Konzerte im Vorprogramm der Hosen auf Größeres hoffen lassen.

Mit „Einen letzten Abend“ eröffnet ein solider Punkrocker das Album, der Dank Offbeat mit Ska-Anleihen in der Bridge überrascht, aber mit „Ohoh“-Chören nervt. Trotzdem macht dieser Song schon klar, aus welcher Stadt das Quartett kommt. „Zu spät“, eine Zusammenarbeit mit Ingo Donot, ist ein düsterer Rocker, der die Folgen des exzessiven Kapitalismus behandelt, allerdings gerät der Text mit Zeilen wie „wenn niemand mehr rausgeht, wenn niemand mehr schreit wenn das letzte Licht ausgeht, kommen wir wie immer zu spät“ doch eher unangenehm pathetisch als aufrüttelnd. Zu viel Holzhammer, zu wenig Scharfsinn. Die Toten Hosen sind hier viel eher Vorbild, als Die Ärzte. Auch die Coming-Of-Age/Freunde-die-sich-sorgen-machen-Story in „Schon okay“ wirkt erzwungen.

„Ganz nach oben“ kommt dagegen viel ernster daher, ohne wirklich konkret zu werden, was gerade den Reiz des Textes ausmacht. „Geh mir nicht mehr auf die Eier, warum verstehst du mich nicht, ich interessier mich nicht für dich“ singt Chri Hoffmeier über einen tanzbaren Poppunker und er und seine Kollegen erinnern etwas an die Prinzen. Spätestens beim zweiten Durchlauf setzt sich „Geh mir nicht mehr auf die Eier“ dermaßen im Gehörgang fest, dass es sehr verwunderlich wäre, wenn das kein Hit wird. Etwas schneller wird es dann endlich mal mit „Wer wirft den ersten Schein“, der auf aggressive Weise die Gier nach dem schnöden Mammon behandelt.

Mit ihrem vierten Longplayer liefern die Rogers eine solide Punkrockplatte ab. Immer wieder scheinen ihre Düsseldorfer Kollegen von denToten Hosen und vor allem Broilers durch und insgesamt ist „Mittelfinger für immer“ etwas zu handzahm und eingängig geraten, um dem Titel gerecht zu werden. Die Texte sind oftmals melancholisch, musikalisch könnte es gerade in der ersten Hälfte etwas flotter zur Sache gehen.

Anspieltipps:

  • Geh mir nicht mehr auf die Eier
  • Ganz nach oben
  • Wo gehör ich hin

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