Scarabeusdream - Crescendo - Cover
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Scarabeusdream Crescendo


  • Label: Noise Appeal Records
  • Laufzeit: 51 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

„Crescendo“ ist ein Pop-Biest, das an den Wahnsinn in einem Genre glauben lässt, der sonst als Kommerz-Gift verschrien ist.

Inzwischen sind mehr als zehn Jahre vergangen, dass eine junge Dresdener Band mit dem Song „Dreamdancer“ zeigte, was der deutsche Pop zu bieten hat, wenn er dem Wahnsinn die Tore offen hält. Von da an hatte sich besagte Band mit dem Namen Polarkreis 18 stetig dem Mainstream angenähert und von den als Inspiration angegebenen Blur-Vibes blieb nicht viel. Scarabeusdream sind eine Band, die einen ähnlichen Faden aufgenommen haben und diesen auch auf ihrem dritten Album „Crescendo“ durchhalten. Statt Blur heißt das lose Vorbild vielleicht eher Muse, aber das gleiche ungestüme Chaos, das sich damals in Polarkreis 18 erahnen ließ, schwant auch hier.

Scarabeusdream singen ihre Musik zumeist nicht, sondern leiden sie. Ob wild schreiend wie in „Euphoria Pt. I“ oder flehend wie in Teil II, glauben Hörer eher Theaterschauspielern zuzuhören, die ihre Emotion bis in die letzte Saalreihe tragen wollen. Der Begleittext kündigt die Musik von Scarabeusdream teils als Posthardcore-Geschrei an, woran sich ablesen lässt, dass die Bandmitglieder Hannes Moser und Bernd Supper an ihrem eigenen Sub-Genre arbeiten. Nennen wir es der Einfachheit halber Hart-Pop und freuen uns darüber, dass wir die Kunst in diesem Begriff verstecken können.

Hart-Pop-Kritiker picken sich „But Me“ und „Crashing Cars“ als Meilensteine heraus, die die Qualität des Albums definieren müssen. Diese Last bürden sich progressiv arbeitende Künstler immer auf, da die Frage aufkommt, warum Lieder an die zehn Minuten andauern. Wenig überraschend ist „Crashing Cars“ der überzeugendere Track, weil er artig dem Albumnamen Tribut zollt. Der Song ist ein einziges Crescendo, eine Steigerung über gute acht Minuten, die stetig fester zupackt. Der Wermutstropfen ist, dass der Song keinen knackigen Schlusspunkt setzt, sondern wie ein alter Radiosong den Fade-Out nutzt.

„Crescendo“ lädt mit dem Versprechen auf Krach und Chaos ein, aber bleiben werden die meisten Hörer letztlich wahrscheinlich für die versteckte Zugänglichkeit in Form von „Geee!“ und „Valley“, die die Parallele zu Polarkreis 18 ermöglichen. In diesen Momenten bündelt das Duo seinen sonst zügellos erscheinenden Hang zum Überbordenden und konzentriert sich auf eingängigen und gleichzeitig leidenschaftlichen Pop. Die Eingängigkeit führt wie in Elvis auch zu Austauschbarem, weswegen sich geneigte Hörer in Zukunft gerne weiter ihren Weg durch den Wahnsinn eines „But Me“ bahnen. Genau dieser Mut zum Verrückten scheint die Höhepunkte auf „Crescendo“ zu ermöglichen und das Duo davon abzuhalten, sich der verführerischen Beliebigkeit des Pop hinzugeben.

Anspieltipps:

  • Geee!
  • Crashing Cars
  • Origin

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5/10

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  • 2019    
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