Omer Klein - Radio Mediteran - Cover
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Omer Klein Radio Mediteran


  • Label: Warner Bros.
  • Laufzeit: 46 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
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„Radio Mediteran“ verspricht zum Auftakt Großes, lässt den Hörer im Anschluss aber oft vergebens nach diesem Versprechen verzehren.

Omer Klein hat auf „Sleepwalkers“ gut vorgelegt. Mit seinem Talent am Flügel und der Besinnung auf leicht zugänglich Jazz eroberte Klein Hörer-Herzen im, Pardon, Schlaf. „Radio Mediteran“ verfolgt einen komplexeren und treibenden Ansatz, der Zuhörer in seinen Bann und vor allem in Bewegung setzen soll. Das gelingt im mysteriös mitreißenden „Our Sea“ auch grandios, was Erwartungen weckt, die der Rest des Albums leider nicht erfüllt.

„Our Sea“ kombiniert Kleins virtuoses Spiel mit einem stetig wachsenden Zusammenspiel mit seinem Trio, das schließlich in einem fantastisch sphärischen Einsatz von Synthesizern mündet. Hier kündigt sich ein futuristischer Mix für den Jazz an, der dank der Produktion trotzdem jederzeit nah und warm klingt. Gelungene Sound-Kombinationen wie während der zweiten Hälfte des Openers sind eine Seltenheit, die schlichtweg gelungen ist.

Danach scheint „Tripoli“ das Rezept mit leicht anderem Geist wiederholen zu wollen. Durch repetitiven Einsatz der Grundmelodie und weniger Feingefühl beim Zusammenspiel zwischen Synthetik und Instrumenten rauscht der Song an Hörern aber spurlos vorbei. Der Titeltrack besinnt sich dann lieber auf die Komplexität des Openers, ohne Elektronik zum Einsatz bringen. Das funktioniert ordentlich und zeigt, dass die Kernkompetenzen des Trios auch ohne Extras zünden. Im großteils starken Romantiker-Stück „Sofia Baby“ zeigt sich der Einsatz eines Keyboards dagegen wieder hinderlich, was „Our Sea“ von einem Versprechen in einen vermeintlichen Zufallstreffer des musischen Genies wandelt.

„Radio Mediteran“ ist ein anspruchsvolles und angenehmes Album geworden, das durchaus positive Schlagzeilen für Omer Klein schreibt. Gleichzeitig ist das über allem thronende „Our Sea“ eine Erinnerung daran, dass Kleins Einsatz von Synthetik eher mäßig ist und im Grunde gute, manchmal sogar starke Arrangements eher ausbremst als sie zu bereichern. Daher bleiben eher „Desert Trip“ und „Arak“ in Erinnerung, die auf Spielereien verzichten. Zumindest ab und an lassen diese Lieder vergessen, wie viel mehr in „Radio Mediteran“ stecken könnte.

Anspieltipps:

  • Our Sea
  • Desert Trip
  • Arak

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