Kowsky - Blinder Fleck - Cover
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Kowsky Blinder Fleck


  • Label: recordJet/EDEL
  • Laufzeit: 44 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
9.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Kowsky haben wenig zu sagen, aber viel zu erzählen. Und dabei klingen sie erstaunlich erfrischend.

Kowsky ist eine der ersten unscheinbaren Überraschungen des Musikjahres 2019. Aufs erste Hinhören ist die Band ein Möchtegernquerolant, die bloß nicht modern und inhaltlich abstrakt klingen will. Die Musik der Eröffnung „Wer Ist Der Boss Hier“ hat leichte Anklänge amerikanischer Rockmusik und Einflüsse der 90er-Jahre inne. Die Texte klingen eher nach Phrasen für den Feierabend und wollen nicht zu sehr in die Tiefe gehen, während die Melodien sich nett und unaufdringlich breit machen. Das ist ein Klang, der von vornherein seine Rolle gefällig im Hintergrund zu suchen scheint und nicht lange in Erinnerung bleibt.

Nach dem braven Single-Material „Der Faule Hund“ und dem romantisch seichten Kraut-Surfer-Rock in „Löschpapier“ meint man als Hörer alles gehört zu haben. Da sonnt sich eine Berliner Band in den Lieblingsklängen der letzten Jahrzehnte, wirkt dabei durchaus verspielt, aber lässt jegliche Ambitionen vermissen. Und dann lässt sich im Titeltrack „Blinder Fleck“ erkennen, was die Eröffnung des Albums im besten Fall vermuten ließ: diese Band hat wirklich Freude an ihrer Musik. Der Höhepunkt folgt aber im folgenden Country-Song „Kap Der Falschen Hoffnung“, der endgültig zeigt, dass diese Band schlichtweg Freude an sich selbst hat.

An diesem Punkt wird auch deutlich, dass die schwächeren Texte des Albums verschmerzbar sind, wenn Hörer für eine Dreivertelstunde schwelgen möchten. „Blinder Fleck“ ist ein auf freche Weise entspanntes Album. Lieder wie „Meckermann“ und „Schmutzige Hände“ erklimmen keine Bestenlisten, aber dringen spaßig hervor und lassen die Band aus dem unscheinbaren Hintergrund cool in den Vordergrund schreiten. Die Texte stehen höheren Aufgaben im Weg, aber auch bei aller Spielfreude ist „Blinder Fleck“ nicht frei von Längen.

Insgesamt ist das Album kurzweilig, aber „Sag Aufwiedersehn“, „Die Berüchtigte Jane“ und „Ménage À Trois“ gehören wie der Auftakt zum gepflegten Mittelmaß. Damit läuft knapp die Hälfte des Albums in zugegebenermaßen solider Art Gefahr in Vergessenheit zu geraten. Die starken Momente sind dagegen genug, um Kowskys gediegenes Soundkleid des Öfteren aus dem Schrank zu holen und die Feierabend-Sonne zu genießen. Dann ist „Blinder Fleck“ eben nicht das Album des Jahres. Am besten tut man es der Band gleich und entspannt sich.

Anspieltipps:

  • Kap Der Falschen Hoffnung
  • Blinder Fleck
  • Schmutzige Hände

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