Pom Poko - Birthday - Cover
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Pom Poko Birthday


  • Label: PIAS/Rough Trade
  • Laufzeit: 43 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Norwegen setzt seinen musikalischen Siegeszug in Form der Spaß-Punk-Truppe Pom Poko fort.

Nachdem Schweden und Island sich in den letzten zwei Jahrzehnten als die nordischen Hochburgen guter Musik etabliert haben, blieb Norwegen weitestgehend außen vor. Selbst Finnland war aufgrund des wandelnden Show-Spektakels H.I.M. präsenter als das Nicht-EU-Land mit den Fjorden. Innerhalb von drei Monaten hat Norwegen allerdings nicht nur aufgeholt, sondern mal eben Messlatten gelegt. Nach Hilma Nikolaisen und Hajk tritt das bunt bekloppte Punk-Quartett Pom Poko die Musiktore des noch jungen Musikjahres ein.

Die nach einem der eher obskuren Hayao-Miyazaki-Filme benannte Band ballert mit „Birthday“ während der ersten Hälfte eins der frischesten Rock-Alben der jüngeren Vergangenheit aus den Boxen. Im Weg steht der Band am Ende nur, dass sie nicht einfach auf zwei, drei Titel verzichtet haben, um das Album so windschnittig wie ihre eigene Musik zu gestalten. Wahrscheinlich gehen die Meinungen der Band und des Verfassers dieser Zeilen weit auseinander, da der kleine Bruch des Albums ausgerechnet mit dem Titeltrack „Birthday“ einsetzt. Bis zu diesem Punkt gelingt Pom Poko nahezu alles, was sie sich vornehmen.

Vom abgefahren überfrachteten Opener „Theme #1“ hin zum ersten Single-Material „My Blood“ zeigen Ragnhild Fangel, Martin Miguel Tonne, Jonas Krøvel und Ola Djupvik, dass sie den Balanceakt zwischen schrammelig nörgelndem Sound und eingängigen Melodien hervorragend beherrschen. Das klingt im überragenden „Follow The Lights“ in einer Form unterproduziert, dass man sich bei hyperaktiven Punk-Cousins von Bilderbuch, die sich ebenfalls nicht zu schade sind, das Heil in vermeintlich unsauberen und unmodernen Klängen zu suchen.

In der Folge beweisen Pom Poko, dass sie ihren Stil konsequent und doch in verschiedenen Gangarten beherrschen. Das Highlight ist die Krach-Ballade „Blue“, das samten und dann doch wieder wie Sandpapier ertönt, ohne dabei je aufgesetzt zu klingen. Die Calypso-Vibes im Hintergrund sind dabei lediglich die Kirsche auf dem süßsauren Musik-Becher, den die Norweger Hörern präsentieren.

Erst mit besagtem „Birthday“ schleichen sich Wiederholungen ein, die dem Album Wind aus den Segeln nehmen. Dazu gesellen sich das erstaunlich geradlinige und trotz knapper Kürze langatmige „Daytripper“ sowie das schlichtweg zu lang und ziellos verschrammelte „If U Want Me 2 Stay“. Ohne diese knapp zwölf Minuten Mittelmaß ist Pom Poko aber ein hervorragendes Rock-Album gelungen, das Coming-Of-Age-Balladen (u.a. „Honey“), Mini-Musicals („Milk Trust“) und kompromisslos durchgeknallten Rock (u.a. „Crazy Energy Night“) verbindet. „Birthday“ ist ein Album mit Schönheitsflecken, das seine Macken sofort vergessen macht und dem Hörer einfach nicht böse bleiben können.

Anspieltipps:

  • Blue
  • Follow The Lights
  • My Blood
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