Dominic Miller - Absinthe - Cover
Große Ansicht

Dominic Miller Absinthe


  • Label: ECM Records
  • Laufzeit: 42 Minuten
Artikel teilen:
5/10 Unsere Wertung Legende
10/10 Leserwertung Stimme ab!

Dominic Miller versucht sich an einem neuen Klanggewand und steht sich und seiner guten Idee die meiste Zeit selbst im Weg.

Dominic Miller darf sich für „Absinthe“ durchaus das ein oder andere Wörtchen anhören, aber dass der Gitarrist sich nicht verändert, gehört nicht zu den sich anbietenden Verbesserungsvorschlägen. Auf dem neuen Album entfernt Miller sich von den synthetischen Klängen von „Silent Light“, um einem warmen und von Südfrankreich geprägten Stil Platz zu machen. Das von Miller geschaffene Quintett spielt „Absinthe“ in einer verträumt verschlafenen Weise, die das zum Setting passende Akkordeon teils mehr ins Rampenlicht rückt, als die Marken trächtige Gitarre. „Absinthe“ ist ein konventionell lieblicher Kniefall vor der Ruhe des Impressionismus geworden, wobei der künstlerische Wahn auf der Strecke bleibt.

Vorneweg sei gesagt, dass „Absinthe“ ein hübsches Album ist. Dabei reift das Album wie guter Wein und findet im Abschluss in Form von „Ténèbres“ und „Saint Vincent“ seine stimmungsvollen Höhepunkte. Diese beiden Titel sind im Grunde die konsequente Entwicklung dessen, was der Titeltrack zum Auftakt verspricht. Dominic Millers sanfte Gitarre sucht innerhalb des organischen Miteinanders der Band seinen Platz. Was im Opener noch hallend und etwas asynchron klingt, wird mit der Zeit immer besser, bis die Band in „Ténèbres“ das nahezu perfekte Miteinander findet.

Der Weg bis zum starken Abschluss ist jedoch etwas blutleer geraten. Zwar gibt sich das Quintett wie in „Absinthe“ und „Ombu“ alle Mühe, um die weichen Grundtöne und den vermeintlichen Wahnsinn der Künstler zu vereinen, aber diese Mischungen hören sich in der Regel gezwungen an. Der Vorsatz, die ruhig wirkende Kunst und das Temperament eines Künstlers zusammenzubringen, ist löblich, aber führt auf „Absinthe“ nie zum Erfolg. Dass das künstlerische Toben wegfällt, wäre im Endeffekt gar kein Problem, weil Miller mit besagten Höhepunkten des Albums selbst Werke schafft, die dem Impressionismus nahe kommen.

Sobald Miller nicht auf autobiografisches beharrt und Kunst und Mensch nicht unnötig zusammenführt, ist die Idee zum Album „Absinthe“ eine schöne und gelungene. Nur bis Miller an diesem Punkt angekommen ist, ist zu viel Zeit vergangen.

Anspieltipps:

  • Ténèbres
  • Saint Vincent
  • Bicycle

Neue Kritiken im Genre „Jazz“
Diskutiere über „Dominic Miller“
comments powered by Disqus