Annett Louisan - Kleine Große Liebe - Cover
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Annett Louisan Kleine Große Liebe


  • Label: Ariola/Sony Music
  • Laufzeit: 97 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
7.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Ihre Freunde nennen sie Schnappi. Erst schnappt sie nach Luft, dann schnappt sie ein.

Gleich mit einem Doppelalbum meldet sich Annett Louisan (42) mit dem Nachfolger zum „Berlin – Kapstadt – Prag“-Werk aus dem Jahr 2016 zurück. Darauf war allerdings nur eine Sammlung von Coverversionen zu hören. Der letzte reguläre Longplayer mit eigenen Stücken, „Zu viel Information“ (02/2014), liegt inzwischen mehr als fünf Jahre zurück. Der Grund für den langen Zeitversatz ist schnell erklärt: Die Sängerin wurde im Sommer 2017 Mutter eines Mädchens. Ganz klar, dass sich dadurch die Prioritäten verschoben haben und die Lust aufs Schreiben erst wieder neu entdeckt werden musste.

Am Ende hat die 42-Jährige 20 Songs für „Kleine große Liebe“ zusammengetragen. Es ist das achte Album in der Karriere der 1,52 Meter kleinen Wahl-Hamburgerin, das in Teamarbeit mit verschiedenen Songschreibern wie Peter Plate (Rosenstolz, Sarah Connor, Barbara Schöneberger, Maxine Kazis), Frank Ramond (Yvonne Catterfeld, Ina Müller, Udo Lindenberg, Christina Stürmer) und Tobias Kuhn (Thees Uhlmann, Leslie Clio, Mark Forster, Clueso) entstanden und in zwei Sektionen aufgeteilt ist.

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Teil eins kommt mit zehn Liedern, die im gewohnten Chanson-Stil gehalten sind, daher, während Teil zwei – ebenfalls mit zehn Songs ausgestattet – etwas moderner und poppiger gehalten ist. So vereinen sich die Welten der alten und der neuen Annett Louisan auf einem opulenten Doppelalbum, das zudem auf die bekannte Stärke bauen kann, Texte zu präsentieren, die kleine Geschichten erzählen, die alltäglich erscheinen, aber in charmante Worte verpackt werden. Dass dabei auch das Thema Mutter/Kind zur Sprache kommt, dürfte keinen überraschen („Ein besserer Mensch“).

Die Chansons klingen warm, handgemacht und abwechslungsreich und setzen dabei auf Akustikgitarren („Two Shades Of Torsten“), Piano („Saboteur“), Akkordeon („Klein“), Streicher („Zweites erstes Mal“) und Bläser im Ragtime-Stil („Eine Frage der Ehre“). Doch auch die vermeintliche Pop-Seite des Doppelalbums bricht nicht völlig mit dem klassischen Stil der Louisan. So atmen Stücke wie „Belmondo“ das typische französische Pop-Flair der 60er Jahre, während „Traumpaar aus der Gosse“ entfernt an Nena (!) in Balladenform gemahnt und „Borderline“ einem 80er-Jahre-Disco-Charme erlegen ist.

Unterm Strich ergibt das einen interessanten und abwechslungsreichen Longplayer, der Annett Louisan trotz des Pop-Ausflugs auf CD 2 nicht unbedingt neue Fans einbringen wird, aber zumindest die treuen Hörer versöhnlich stimmen und weiterhin an sie binden dürfte. Schließlich sind elektronische Elemente wie „Haie“ oder inhaltliche Dramen wie „24 Stunden“ schlicht und einfach sehr gelungen, was in der deutschen Musiklandschaft ein rares Gut darstellt.

Anspieltipps:

  • Haie
  • Saboteur
  • Belmondo
  • Zweites erstes Mal
  • Kleine große Liebe
  • Eine Frage der Ehre
  • Die schönsten Wege sind aus Holz
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