Kapelle Petra - Nackt - Cover
Große Ansicht

Kapelle Petra Nackt


  • Label: OMN Label Services
  • Laufzeit: 41 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
8.5/10 Leserwertung Stimme ab!

Die netten Jungs von nebenan aus Hamm sind wieder da.

Die Kapelle Petra ist und bleibt die Band im Schatten. Im kommerziellen Schatten von Madsen und dem künstlerischen von Tocotronic versteckt sich die Band aus Hamm, die anscheinend eine Mischung aus diesen Gruppen ist. Textlich zwischen den frühen Madsen und Tocotronic-Light und musikalisch eher bei den frühen Tocotronic und den späteren Madsen ist „Nackt“ ein Mitsing-Album für immer und niemals geworden. Ohne einen einzigen Song, der dieses Jahr überleben sollte, ist das Album ein solches, das bei jedem Einlegen gute 40 Minuten leichtherzige Unterhaltung verspricht.

Inhaltlich sowie musikalisch bewegt sich die Kapelle Petra auf leicht abstraktem Alles-wird-gut-Parkett, das ein Lächeln ins Gesicht zaubern soll. Wenn die Band uns als „Weltkulturerbe“ bezeichnet und mit uns das Beste aus diesem Leben machen will, bis die Welt an irgendeinem Tag untergehen wird, dann ist das Phrasen gefährlich nahe, hört sich aber glücklicherweise zumeist authentisch an. „Nackt“ ist fast schon schmerzhaft naiv geschrieben, zieht aber genau aus diesem jung gebliebenen Leichtsinn eine Stärke. Denn an Konsequenz fehlt es diesem Album garantiert nicht, wenn von vorne bis hinten motiviert, aufgepäppelt und aufgeheitert wird.

Da lassen sich sogar musikalische Irrwege wie „Bundesjugendspieleteilnahmebescheinigung“ weglächeln. Die glücklichen Hörer sind jene, die sich bei „Restart Mann“ dabei erwischen, dass sie breit grinsen. Gelacht wird auf „Nackt“ nicht. Dafür ist das Album zu zahm und zu freundlich. Wenn erwähntes Lied mit dem Brechertitel, das seicht rockige „Ich Und Mein Hund“ und die wenig ausdrucksstarke Ballade „Irgendwas Ist Blöd“ das Album ins Stolpern bringen, droht das Lächeln sich auch kurz dem Wäsche falten oder Frühstück machen zu widmen. Hier verkommt „Nackt“ zu Hintergrundmusik.

Dass das Album diese qualitativen Täler durchwandert, ist gerade in Anbetracht der Highlights betrüblich. „Seitdem Ich Johnny Cash Bin“, „Die Jugend Heutzutage“ und „Restart Mann“ sind feine Indizien, dass der Harmlos-Rock aus Hamm ganz ohne Provokation für uneingeschränkt gute Laune sorgen kann. Das ist vielleicht nicht besonders edgy, punk und true, aber es macht Freude. Und an Freude sollte es nie mangeln.

Anspieltipps:

  • Seitdem Ich Johnny Cash
  • Restart Mann
  • Die Jugend Heutzutage

Neue Kritiken im Genre „Indie-Pop“
Diskutiere über „Kapelle Petra“
comments powered by Disqus