Glen Hansard - This Wild Willing - Cover
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Glen Hansard This Wild Willing


  • Label: Anti Records
  • Laufzeit: 64 Minuten
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5.5/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

Schade, Glen Hansard vertraut heuer mehr auf effekthascherische Elemente, denn auf seine eigene Stimme.

Erste Bekanntheit erlangte Glen Hansard als Gitarrist im Kultfilm „The Commitments“ aus dem Jahr 1991. Und obwohl der Ire nicht nur gute Erinnerungen an die Aufnahmen und das Medium Film hatte, beteiligte er sich trotzdem sowohl am Film „Once“ (2006) und dem dazugehörigen Soundtrack. Eine richtige Entscheidung, die ihm letztlich einen Oscar für den besten Filmsong einbrachte. Seitdem kann der Sänger und Songschreiber einigermaßen erfolgreich Alben veröffentlichen und regelmäßig touren, zuerst mit The Swell Season, seit einigen Jahren hauptsächlich solo.

Mit „The Wild Willing“ erscheint nun das vierte Soloalbum des fast 50-Jährigen, aufgenommen in Paris mit langjährigen Weggefährten Hansards. Doch der Hörer wird überrascht. Der Opener „I’ll Be You, Be Me“ klingt mit elektronischen Beats und Lo-Fi-Klangqualität so gar nicht nach Hansard, dessen Stimme hier und während des ganzen Albums untergeht und deutlich zu weit hinten im Mix steht. Schade. Ansonsten passiert im ruhigen depressiv-melancholischen Song nicht viel, bis er sich zum Ende bedrohlich auftürmt und in einer Klangkulmination endet.

Genauso tönt „Fool’s Game“ und prinzipiell auch „Don’t Settle“, das aber mit einer Mischung aus Nick Cave, den Waterboys und Leonard Cohen überzeugen kann. „Race To The Bottom“ spielt mit orientalischen Klängen und erinnert etwas an Calexico, während die Zeile „It’s a long way down tot he bottom we’ve been racing“ laut Eigenaussage mit dem AC/DC-Song „It’s A Long Way To The Top If You Wanna Rock’n’Roll“ spielt.

„Brother’s Keeper“ und „Threading Water“ liefern Songwriter-Kost im Stile Cat Stevens, während Songs wie „Weight Of The World“ oder „Good Life Of Song“, beide mit über sieben Minuten lang, lieber auf atmosphärische Klangsperenzien, denn auf ausgefeiltes Songwriting setzen. Wenigstens setzt der singende Gitarrist mit „Leave A Light“ noch einmal auf sein Hauptpferd. Eine ruhige Gitarre, dazu eine eindringliche Stimme und eine melancholische Geige, mehr braucht es von Glen Hansard nicht. Die Effekte im Hintergrund hätte er sich sparen können.

Fazit: Mit „The Wild Willing“ ist Glen Hansard nicht der erhoffte große Wurf gelungen. Statt auf seine Stimme und sein Talent zu setzen, spielt er lieber mit um Aufmerksamkeit haschenden Effekten und bemüht sich um Atmosphäre, die er ohne diese Spielereien viel besser hätte erreichen können. Dass das bis auf wenige Ausnahmen gut instrumentierte und arrangierte Album dabei nicht wirklich stört, kann kein Ziel des Iren sein. Es plätschert vielmehr oft vor sich hin und lässt nur dann aufhorchen, wenn es mal wieder gegen Ende eines Songs lauter wird. Lauter hätte allerdings vor allem Glen Hansards Stimme sein müssen.

Anspieltipps:

  • Don’t Settle
  • Brother’s Keeper
  • Leave A Light

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