Mine - Klebstoff - Cover
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Mine Klebstoff


  • Label: Caroline/UNIVERSAL
  • Laufzeit: 35 Minuten
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6/10 Unsere Wertung Legende
6.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Am Ende triumphiert bei allem Selbstzweifel und gleichzeitiger Selbstverliebtheit der Mut zu ambitionierter Popmusik.

Mine klingt jetzt fett und nicht nur nach Selbstzweifel. Das ist die Erkenntnis auf „Klebstoff“. Das Album führt Hörer durch ein vom Sprechgesang inspiriertes Pop-Album, das sich durch seinen präzise eingesetzten Ideenreichtum im instrumentalen Bereich auszeichnet. Abseits von wirklich schön erstellten Klangmalereien macht Mine das, wofür Hörer sie kennen. Sie jongliert gekonnt mit der Sprache, bleibt dabei aber immer wieder zu distanziert. „Klebstoff“ ist ein Album, das in seinen Grundzügen alles für eine Hit-Sammlung mitbringt, sich dabei aber durch die angezogene Emotionsbremse einschränkt.

Obwohl Hörer Mine ihre Selbstzweifel und Bedenken bei jedem Lied aufs Neue abkaufen, schleicht sich eine gewisse Beliebigkeit in ihre Texte und Stimme. Ob die Single „90 Grad“, „Spiegelbild“ oder Klebstoff“: sie wollen alle tiefgründig zum Grübeln bringen, aber vergessen zu berühren. Die Frage in „Spiegelbild“ nach dem wahren Ich und dem bloßen Selbstbild wird nahezu klinisch vorgetragen, sodass das Thema sich verstehen, aber nicht fühlen lässt. Viel zu selten entfernt sich Mine von der sachlichen Monotonie eines „S/W“ und stürzt sich in eine gefühlte Peter-Fox-„Alles Neu“-Fortsetzung namens „Guter Gegner“. Hier traut sich Mine, um sich zu beißen und die Ellenbogen auszufahren.

Dagegen klingt sie in ihren Liedern über den Selbstzweifel kalt und in gewisser Weise leer. Ein nachvollziehbares Stilmittel, das allerdings gerne durch Trauer, Ängste, aber auch Hoffnung in der Stimme hätte untermalt werden können. Das eröffnende Skit „Zukunfts-Ich“ mit fast schon lallender Stimme scheint dagegen offen zu legen, dass die Privatperson und die Künstlerin nicht richtig zueinanderfinden. Mine abstrahiert sich selbst auf „Klebstoff“ auf hörbar interessante Weise, bis am Ende eine Spur zu wenig von ihr übrig bleibt. Damit ist „Klebstoff“ ein Album, das stark klingt, aber kaum nachklingt.

Anspieltipps:

  • Guter Gegner
  • Spiegelbild
  • Schwer Bekömmlich

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