Youn Sun Nah - Immersion - Cover
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Youn Sun Nah Immersion


  • Label: Warner Bros.
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8/10 Unsere Wertung Legende
3.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Youn Sun Nah macht aus der Neuintepretation eine Kunst und verleibt sich die Originale in erstaunlicher Weise ein.

Das Covern von Liedern gilt in manchen Kreisen als verpönt. Die eigene Leistung fehle und Künstler würden die Lorbeeren anderer einheimsen, sind gängige Kritiken an den Neuintepretationen. Gleichzeitig ist es verwunderlich, dass gerade die klassische Musik keine großen Probleme mit dieser Kunstform hat. Beethoven und Bach können ihre Konzerte heutzutage nun einmal nicht mehr selbst aufführen. Und nach knapp 300 Jahren ist eine abgewandelte Aufführung der Vier Jahreszeiten Vivaldis durchaus erwünscht.

Youn Sun Nah schlägt im Pop-Bereich in eine ganz ähnliche Kerbe. Sie setzt sich über Genre-Grenzen hinweg und sucht nach Möglichkeiten, um musikalische Großtaten mit ihren Visionen eigenständiger Popmusik zu verbinden. Clever startet Youn Sun Nah das Album mit Arrangements, die sich selbst mitgeschrieben hat, um sich musikalisch festen Boden unter den Füßen zu verschaffen. „In My Heart“ ist ein Werk, das an Thom Yorkes Solo-Projekt „The Eraser“ erinnert, aber auf einen Gesang setzt, der durch emotionale Bandbreite besticht.

Verwandlungen wie die von der Romantikerin in „In My Heart“ zu einer nahezu bedrohlich intensiv Verliebten in „The Wonder“ rufen Überraschung hervor und zeigen früh, was die Südkoreanerin auf dem Kasten hat. Die Meisterleistung des Albums ist jedoch, dass Youn Sun Nah es im Anschluss schafft, diesen eigenen Stil auf Lieder und Arrangements von George Harrison und Johnny Cash zu übertragen. Anscheinend mühelos schwebt Youn Sun Nah mit ihrem minimalistisch intimen Stil über den Liedern und schafft eine Art moderner Kammermusik.

Die Musikerin untermalt ihren Pop mit sehr genauen Pinselstrichen. „Immersion“ lebt von klar differenzierbaren Klängen, die zusammen ein ums andere Mal bewegende Musik ergeben. Wenn Youn Sun Nah in „Mystic River“ noch unter Beweis stellt, dass sie ihren Stil auch auf tanzbare Chartmusik ausrichten kann, ist kein Paar Ohren mehr sicher. „Immersion“ bietet Chanson, Folk, Country, Soul, Jazz und klingt doch immer wieder unverkennbar nach Youn Sun Nah. Selbstbewusster klingende Gesänge als in „God’s Gonna Cut You Down“ werden sich in diesem Jahr nur schwerlich finden lassen. Überhaupt ist Selbstbewusstsein das entscheidende Stichwort. Während es schwerfällt, „Immersion“ ein klares Genre zuzuweisen, ist die Künstlerin dahinter unverkennbar. Und dass sie das mit Cover-Versionen schafft, vergrößert ihre Leistung sogar noch.

Anspieltipps:

  • In My Heart
  • God’s Gonna Cut You Down
  • Mystic River

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