Emil Bulls - Mixtape - Cover
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Emil Bulls Mixtape


  • Label: AFM Records
  • Laufzeit: 41 Minuten
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4/10 Unsere Wertung Legende
6.4/10 Leserwertung Stimme ab!

„Mixtape“ ist kein Mixtape. Und mit diesem Problem legt ein mäßiges Tribute-Album noch vor dem ersten Ton los.

Ein Mixtape war mal der Mit- oder Zusammenschnitt beliebter Lieder, die man seinen Liebsten oder der Szene näherbringen wollte. Oftmals für den Schwarm oder die Musik, für die Hörer schwärmten, gedacht, sind Mixtapes quasi der Vorreiter der Streamingdienst-Playliste. Mit Tributen für Genesis, Placebo und, wie könnte es anders sein, den Pixies haben sich die Emil Bulls jedoch schon mal keine unbekannten Künstler ausgesucht. Stattdessen präsentieren sie bekannte Musik für alle Kinder der Neunziger, die im Radio das beste von kurz nach früher bis jetze gefeiert haben und seit gut zehn Jahren keine neue Musik mehr hören. Auch nach dieser Logik ist das Coveralbum jedoch kein „Mixtape“, sondern eher ein Remixtape. Dieses Missverständnis ist allerdings auch der perfekte Einstieg, um dieses Tribute-Album zu verdauen.

Die Emil Bulls covern nicht nur, nein, sie covern auch, wenn sie hemmungslos überfordert sind. Ohne Rücksicht auf Tempo, Rhythmus und Wirkung vieler Originale verschlucken sie sich gleich zu Beginn am R&B in „Survivor“ (Destiny´s Child), der sich anscheinend nicht ohne unfreiwillige Komik auf den harten Rocksound der Münchner übertragen lässt. Ähnlich rücksichtslos wird auf Genesis’ „Jesus He Knows Me“ eingeprügelt und in „Jungle Drum“ (Emiliana Torrini) verhaspeln sich die Mannen gleich am nächsten Zungenbrecher, den sie ohne Not schneller spielen. Gleichzeitig rutscht die Band auf gewollt mysteriösen Umserzungen von „Rebel Yell“ (Billy Idol) und, natürlich, „Where Is My Mind“ (Pixies) aus, die aalglatt, aber nicht angenehm aus den Boxen flutschen.

Bei aller Kritik ist das „Mixtape“ keineswegs katastrophal. Es klingt schlichtweg unüberlegt zusammengesetzt. Und auch wenn der Ansatz der richtige ist, dass die Band ihren eigenen Stil einbringen will, hätten sich von den gleichen Interpreten Lieder finden lassen, die besser passen. Stattdessen fühlt sich „Mixtape“ nach einem Fokusgruppen-Kompromiss an, zu dem schon alle mitschunkeln werden, weil letztlich doch jeder die Melodien erkennt. Aus kommerziell wird sich dieses Unterfangen wahrscheinlich lohnen, doch echte Freude kommt bei diesem „Mixtape“ nicht auf.

Anspieltipps:

  • Where Is My Mind
  • Kids
  • Every Me Every You

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