First Breath After Coma - Nu - Cover
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First Breath After Coma Nu


  • Label: Radicalis/SOULFOOD
  • Laufzeit: 36 Minuten
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9/10 Unsere Wertung Legende
4.3/10 Leserwertung Stimme ab!

Pssst, hey, hey du! Ja, genau du, Musik-Aficionado. Komm schnell her und erfahre als erster von einem der schlüssigsten Konzeptalben diesen Jahres.

„NU“ packt, ergreift und lässt nicht mehr los. Wer auch nur bedingt an experimentellem Rock interessiert ist, der kann sich das Lesen der folgenden Zeilen getrost sparen. Um jede weitere Sekunde, die ohne das erstmalige Hören dieses Albums vergeht, ist es jammerschade. Die Band mit dem irritierenden Namen First Breath After Coma liefert nach „Drifter“ mit „NU“ ein Künstler-Album wie aus dem Lehrbuch und doch komplett eigenständig. Mit 35-minütigem Visual-Album folgen die fünf Portugiesen Größen wie Björk. Doch „NU“ ist nicht einfach nur Schau, sondern vielmehr ein Spektakel, das den Idealpunkt zwischen Art und Indie trifft.

Nach gut zwei Minuten dürfte es um die meisten Hörer geschehen sein. Nach waberndem Beginn, der zwischen Daft Punk, Everything Everything und Sizarr seinen unsagbar spannenden Platz findet, ertönt die verzogene, ja, ungezogene Gitarre. Das ist die Eröffnung, die die vermeintliche Decke über First Breath After Coma einreißt und einen weiten Himmel zum Vorschein bringt. Mit einer Spielfreude, die alles zulässt, und einem gleichzeitig klar erkennbaren Stil aus ätherischem Gesang, leidenschaftlichen Gitarren, verschleppten Drums und vielen Synthesizern ist dem Fünfer ein kreatives Fass ohne Boden gelungen.

Die Schlagzahl auf „NU“ ist eher niedrig gehalten. Gleichzeitig sprüht das Album vor dynamischen Tempowechseln, die dem übergreifenden Klang der Stücke Leben einhauchen. Eben noch in Zeitlupe schleichend, rasen Momente ansatzlos wie Sternschnuppen an Hörern vorbei. Gerade wer Probleme mit hohen Stimmen ein Problem hat, wird „NU“ die ein oder andere Qualität absprechen wollen. In „Change“ ist die Kritik sogar angebracht. Doch dieser kleine Ausrutscher in repetitives Mittelmaß wird von glanzvoll attraktiven Rock-Mosaikwerken wie „Feathers And Wax“ überstrahlt. Wenn First Breath After Coma Zärtlichkeit und Pop-Bombast wie in „Uneasy“ und „Howling For A Change“ ebenfalls erfolgreich zusammenbringen, dann ist das nicht gut. Es ist nicht stark. Es ist herausragende Musik.

„NU“ ist ein Abenteuer aus Portugal für Musikliebhaber auf der ganzen Welt. Der Klang der Band ist außerirdisch und europäisch angehaucht und haucht damit dem Musikjahr 2019 gehörig Leben ein. In gerade einmal 26 Minuten torpedieren First Breath After Coma ihre Hörer mit einer qualitativen Dichte, die teils den Atem raubt. Überragend ins Ohr gehender Pop trifft sich mit Art- und Indie-Rock ohne Längen und Attitüden. Das ist eine große und aufwühlende Leistung, über die sich während des langen und beruhigenden Closers „I Don’t Want Nobody“ fabelhaft und voller Lust sinnieren lässt.

Anspieltipps:

  • Feathers And Wax
  • Please, Don’t Leave
  • Howling For A Change

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