Fettes Brot - Lovestory - Cover
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Fettes Brot Lovestory


  • Label: Fettes Brot Schallplatten
  • Laufzeit: 39 Minuten
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6.5/10 Unsere Wertung Legende

Die Leserwertung ist erst ab Datum der Veröffentlichung verfügbar.

Doktor Renz, Björn Beton und König Boris wollen Liebe machen. Bist du dabei?

Seit mehr als einem Vierteljahrhundert sind die Herren Doktor Renz, Björn Beton und König Boris als Martin Vandreier, Björn Warns und Boris Lauterbach inzwischen als Fettes Brot aktiv. Damit zählt das Trio aus Hamburg zu den Dinosauriern im deutschensprachigen Rap-Game, wobei sich die Gruppe von Anfang an als leicht alberner Gegenentwurf zur sonst betont humorfreien deutschen HipHop/Rap-Szene positioniert hat und damit bis heute gut gefahren ist. So steht mit „Lovestory“ die Veröffentlichung des mittlerweile neunten Studioalbums an, mit dem vielleicht die letzte Hürde in der Karriere der Brote genommen werden kann. Denn alles, was den Jungs bis jetzt noch fehlt, ist eine Nummer-1-Single bzw. ein Nummer-1-Album in Deutschland.

Auch wenn die Haare lichter (Björn Beton) bzw. grauer (Doktor Renz) und die Bäuche dicker (König Boris) geworden sind, zeigen sich die drei Typen Mitte 40 vital wie eh und je und zünden auf ihrem neuen (Konzept-)Longplayer (!) eine „Lovestory“ in elf Akten. Im Spannungsfeld aus Können, Kult, Wahnsinn und Parodie befassen sich die Brote in jedem der elf Lieder mit einem anderen Aspekt zum Thema Liebe – und zwar aus den verschiedensten Blickwinkel von Mama, Papa, Opa, Oma, du, ich und irgendwelchen geilen Biestern aus der Generation Tinder.

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Als Einstieg wurde wunderbar passend der Klassiker „Ich liebe dich“ von Clowns und Helden in „Ich liebe mich“ umgedichtet und wörtlich genommen. Denn scheiß auf die Meinung der anderen! Nimm dich selbst in den Arm und gebe nen Fuck, auch wenn du zu alt und zu dick bist und dein Pimmel zu kurz ist. Schön, dass Fettes Brot dem Hörer nicht mit dem ausgestreckten Zeigefinger ins Auge stechen, sondern erbarmungslos die suboptimalen Bodies durchkitzeln. Doch nicht nur der Opener zeigt, dass es die Brote mit ihrem Konzept ernst meinen und in der Folgezeit alle Register ziehen.

So ist König Boris nicht in die blutjunge Jana, sondern in ihre Mutter verliebt („Deine Mama“), während Björn Beton einen schweißtriefenden Funk in „Geile Biester“ anstimmt (inklusive bellender Hunde und miauenden Katzen!). Darüber hinaus werden Old-School-Groves mit coolen Bläser- und Pianoparts serviert („Wetterfrau“), Hymnen an verflossene Girls in den Orbit geblasen („Denxu?“, „iKEA“) und eine durchgeknallte Science-Fiction-Liebe zu Alexa und Siri eingestanden („Roboter Girl“).

Klar, diese Art von Humor muss man mögen. Das war schon bei der ersten Brote-EP aus dem Jahr 1994 so und ist auch auf dem neuen „Lovestory“-Longplayer nicht anders. Musikalisch sind Fettes Brot zwar inzwischen viel stärker im Pop als im HipHop/Rap verwurzelt, doch böse kann man dem Trio deshalb nicht sein. Denn vor allem wer diesen latenten Vintage-Touch im Brote-Sound mag, wird ihnen auch auf „Lovestory“ die Stange halten. Darüber hinaus gilt: Fettes Brot - nun auch suitable for Rockers, Ravers, Lovers & Sinners.

Anspieltipps:

  • iKEA
  • Opa + Opa
  • Geile Biester
  • Ich liebe mich
  • Du driftest nach links
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