Mrs. Greenbird - Dark Waters - Cover
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Mrs. Greenbird Dark Waters


  • Label: Greenbird Records/EDEL
  • Laufzeit: 41 Minuten
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5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

Mrs. Greenbird entkommen dem Castingshow-Klang nicht, womit „Dark Waters“ ein unangenehmer Wellengang bevorsteht.

Mrs. Greenbird wäre gern in einer anderen Zeit geboren. Ohne Synthesizer, Sprechgesang und diverse Rechtsprechungen wäre alles so viel leichter. Ganz so konsequent meint das Duo es in „1965“ zwar nicht, aber wie verklärt die Weltansicht der Kölner ist, lässt sich an der Nummer und am Stil des Albums gut erkennen. Dass der vermeintlich altmodische Stil von Mrs. Greenbird von modernen Pop-Arrangements zehrt, wird höflich totgeschwiegen. Statt 1965 klingt das Album nach einer kleinen Schwester einer Amy Macdonald, die ihres Zeichens erst auf ein Jahrzehnt und nicht derer fünf zurückblickt.

Im Vergleich zu Amy bietet Mrs. Greenbird selbst in poppigeren Momenten wie „Morals“ Schunkelmusik mit Folk-Unterton. Das ist wie im anschließenden „Careless Heart“ angenehm anzuhören, solange niemand mehr als kleine Singalongs erwartet. Die Lieder auf „Dark Waters“ sind solche, die Zuhörer ohne darüber nachzudenken mitsummen, den Text aber auch in einem Jahr noch nicht kennen.

Wenn sich das Duo von der aggressiven Ohrwurm-Schiene des Openers „Long Time No See“ entfernt, gelingt der Band in Form des Titeltracks auch nette Musik, die vielleicht gar nicht mehr will, als die ruhige Feierabendlaune zu untermalen. Dieser Trend setzt sich in „One Day In June“ fort, bevor ein Rückfall in gefühlte Castingshow-Melodien während „The Simple Things“ am kompletten Konstrukt des Albums zweifeln lässt. In Liedern wie „Like A Song In My Head“ lassen sich Musiker beobachten, die wie wild zwischen Songschablone für die Charts und authentischem Songwriter-Handwerk wechseln. Ob das dem Können der Mrs. Greenbird geschuldet ist, darf offen bleiben.

„Dark Waters“ ist ein unscheinbares Album, das sich aus dem Schatten der endlosen Pop-Wulst kaum hervorzuheben mag. Wer zufällig auf das Album stößt und gerade einen sehr sachten Folk-Pop-Fix braucht, wird nicht nein sagen. Doch ob überhaupt Leute auf „Dark Waters“ aufmerksam werden, darf aufgrund der fehlenden Ausrufezeichen bezweifelt werden.

Anspieltipps:

  • Dark Waters
  • One Day In June
  • Morals

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