Solange - When I Get Home - Cover
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Solange When I Get Home


  • Label: Columbia/Sony Music
  • Laufzeit: 39 Minuten
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8/10 Unsere Wertung Legende
3.1/10 Leserwertung Stimme ab!

Forderte Solange 2016 noch mit klaren Statements ihr Gehör in der Diskussion um Rassismus, Sexismus und Klassenkämpfe ein, kreisen nun sämtliche Gedanken um das Thema Heimat.

Heimat als Lebensmittelpunkt, Heimat als State Of Mind, Heimat als Gefühl oder einfach Bekanntes. Konkreter wird es tatsächlich nicht mehr, wenn sich auf Solanges neuem Album „When I Get Home“ gleich zu Beginn alles um „Things I imagined“ dreht. Immer wieder wiederholt Solange diese Zeile, probiert sie in verschiedenen Tonarten, Geschwindigkeiten und Betonungen aus, bis der Song (oder besser gesagt Skizze) in ein kurzes Zwischenspiel übergeht.

Im folgenden „Down with the clique“ geht es zwar nicht strukturierter, dafür umso jazziger weiter. Schichten aus Gesangsspuren, sanftes Klavier und Schlagzeug konkretisieren Solanges Aussage, die sie pünktlich zur Veröffentlichung durch das Netz schickte. „With a seat at the table, I had so much to say, and with this album, I have so much to feel.”

Womit wir auch schon bei der Krux angelangt wären. Keine Beschreibung der Welt kann begreiflich machen, was Solange und ihre Mitmusiker hier geschaffen haben. Keine einzelnen Songs, eher über 39 Minuten hinweg fließende Klänge und Stimmungen. Keine herkömmlichen Strukturen und Melodien, dafür viele Referenzen wie Stevie Wonder und R&B von den 70er bis zu den 90er Jahren sowie einzelne, sich ständig wiederholende Motive, die sich abwechseln mit Spoken-Word- und Rap-Passagen. Dazu kommen Instrumente, die ungewohnte Töne von sich geben und zahlreiche Gäste und Kollaborateure wie Playboi Carti, Gucci Mane, Earl Sweatshirt, The-Dream, Dev Hynes, Sampha, Scarface oder auch Panda Bear.

In Erinnerung bleibt allerdings die alleinige Komponistin und Texterin Solange selbst. Auf diese Weise bietet „When I Get Home“ ein Labyrinth aus all dem und noch so viel mehr. Manchmal beinahe zu viel. Oder eben zu wenig, wenn wie in „Beltway“ die Synthieflächen ebenso gedehnt werden, wie die gesungenen Vokale und man erst wieder zum mit Pharrell Williams produzierten „Sound of rain“ aus seinen Gedanken gerissen wird.

Fazit: Um die volle Klasse dieses Albums zu erfassen, gehört viel Zeit, Geduld und der Wille, sich auf Solanges Meditation in 19 Akten einzulassen. Die Belohnung für die Mühen folgt schleichend, aber stetig und wird definitiv von Dauer sein.

Anspieltipps:

  • Sound of rain
  • Down with the clique
  • Almeda
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