The National - I Am Easy To Find - Cover
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The National I Am Easy To Find


  • Label: Beggars/INDIGO
  • Laufzeit: 64 Minuten
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7.5/10 Unsere Wertung Legende
7.2/10 Leserwertung Stimme ab!

The National remixen sich inzwischen selbst und tun dies komplexer, als so manchem Hörer lieb sein dürfte.

Was waren das für Zeiten, als Freunde gemeinsam auf dem Schulhof saßen und zwischen Mathematik und Deutsch in neue Songs reingehört haben. Jeder mit einem Ohr an den wechselnden Tönen der Lieder verzweifelnd, wenn Links das Gitarrensolo, Rechts dafür die saftigen Drums abbekam. „I Am Easy To Find“ ist ein Album, das alle Musikteiler an diese Zeiten zurückerinnert. Zwar ist nicht das ganze Album ein wechselnder Sturm zwischen linkem und rechtem Kanal, so wie der Opener „You Had Your Soul With You“, aber das neue National-Album ist erneut ein durchdachtes Klangmeisterstück.

The National zerlegen und fügen ihre Musik durchgehend und machen teils den Eindruck einer Glitch-Pop-Band, die aus dem Nichts Elemente einstreut, abhackt und verschwinden lässt. Ein Gefühl der Beliebigkeit kommt dabei nicht auf. Dafür haben The National zu viel Musikverständnis. Auf „I Am Easy To Find“ wird die Bandbreite der Band nochmals deutlicher als auf Voralben. Abgesehen vom treibenden Schlagzeug lassen sich Ansätze kaum ein zweites Mal hören. Selbst der sonst so gleichbleibend gehaltene, tiefe Gesang Matt Berningers ist dieses Mal facettenreicher und wird von Hintergrund- und Gastsängern sowie Chören untermalt, um dem Gesang jeweils neue Anstriche zu geben.

Das offensichtlichste Ergebnis dieses musikalischen Panoramas ist, dass sich auf „I Am Easy To Find“ keine klassischen Ohrwürmer befinden. Mit einem anderen Ansatz wären Lieder wie „Oblivions“ und „Rylan“ wohl Stadion füllende Hymnen. „I Am Easy To Find“ hat dagegen viel mehr Freude daran, ein Musik-Kaleidoskop zu sein, das den Kern der Idee namens The National mit jedem Lied aufs Neue uminterpretiert. Auch wenn ein „Oblivions“ sich ein paar Schritte weg aus der Komfortzone heraus zu bewegen scheint, trägt diese Musik unverkennbar den Schriftzug von The National.

In einer guten Stunde, die mit Chorgesang, Spoken-Word-Einlagen und knapp siebenminütigen Electronica-Liedern wie „So Far So Fast“ gerade bei Gewohnheitshörern für verdutzte Gesichter sorgt, ist nicht alles golden. Gleichzeitig ist „I Am Easy To Find“ zu souverän und intelligent produziert, als dass die Sogkraft des Albums je zu stark nachlässt. Und für jeden Hörer, der über das Chostück „Dust Swirls In The Light“ sagt, dass das Lied zu experimentell sei, findet sich garantiert jemand, der im luftigen Indie-Rock von „Where Is Her Head“ den Ausverkauf riecht.

Bei der Querfeldein-Tour auf dem neuen Album von Ausverkauf zu sprechen, wäre allerdings unsachlich. The National hätten sich das Leben leichter machen können. Vielmehr ist eine Band hier anscheinend auf der Suche nach stetiger Entwicklung und neuen Wegen, um die eigenen Vorlieben und Stärken zu präsentieren. Das nimmt Auswüchse wie bei den späten dEUS an und deutet darauf hin, dass wir einer Band auf ihrem Höhepunkt lauschen dürfen. Statt Aufbegehren heißt es für The National die eigenen Stärken zu konservieren und sich neu zu interpretieren. Auch wenn „I Am Easy To Find“ beileibe nicht das beste Album der Band ist, ist es ein hervorragender Beweis dafür, dass The National sich selbst am besten verstehen.

Anspieltipps:

  • Oblivions
  • Rylan
  • The Pull Of You

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