Clinic - Wheeltappers And Shunters  - Cover
Große Ansicht

Clinic Wheeltappers And Shunters


  • Label: Domino Records
  • Laufzeit: 27 Minuten
Artikel teilen:
6/10 Unsere Wertung Legende
6.7/10 Leserwertung Stimme ab!

Clinic sind sichtlich/hörbar gealtert, auch wenn ihnen ihr verschrobener Retro-Rock-Stil erhalten bleibt.

Clinic entziehen sich weiter jeder klaren Genre-Zugehörigkeit und in gewisser Weise jeder Kritik. Auch „Wheeltappers And Shunters“ ist Musik, die sich bis aufs Blut verteidigen lässt. Und der englischen Band ist zu lassen, dass ihre Musik keinesfalls kalt lässt oder bewusst Massenappeal außen vor lässt. Dafür ist die gefühlte EP zu kurzweilig geraten. In weniger als dreißig Minuten führen Clinic ihre Hörer in kurzer Zeit und auf gerade Pfaden durch ein Album, das nie hektisch und doch vollgestopft klingt.

Was ungeachtet jeder Qualität beeindruckend ist, ist wie Clinic mit ihrer Musik die Zeit nahezu anhalten. In Liedern wie „Complex“ gibt es bei aller Eingängigkeit so viel zu entdecken, dass das Lied weitaus länger als zweieinhalb Minuten klingt und doch nicht in die Länge gezogen wirkt. Im Kern sind Lieder wie „Complex“ und „Rubber Bullets“ aufgetakelte Pop-Songs, die sich von Motown bis Neuzeit an allem bedienen, was ihnen in die Finger kommt. Gleichzeitig nimmt sich das Album Kunstpausen in Form von zwei Interluden in Folge („Tiger“ und „Ferryboat Of The Mind“) und scheint bewusst nervtötend klingen zu wollen (in „Mirage“).

Was als beeindruckend verstörendes Experiment beginnt, verfällt in ein Muster, das bei allen Auswüchsen schnell nicht mehr überrascht. Bei „Flying Fish“ werden aufmerksame Hörer sich erwischen, wie sie die Struktur problemlos „Complex“ zuordnen und sich scheinbar mysteriöse Auftakte wie in „Be Yourself/Year Of The Sadist“ und „Congratulations“ als Spielerei ohne Hintergrund entschlüsseln lassen. „Wheeltappers And Shunters“ verliert schnell an Faszination und gerät nach vielversprechendem Auftakt zu einer Aufgabe, die bei allem Können anstrengend erscheint.

Der große Vorwurf an Clinic ist, dass ihr neues Album anstrengend und kompliziert klingt, um anstrengend und kompliziert zu sein. Dabei ließe sich zu „Rejoice!“ und „Complex“ toben, schreien, tanzen und genießen. Stattdessen bremst das Album sich selbst und Hörer aus, um noch einen Haken hier zu schlagen und eine falsche Fährte dort zu legen. Dass die einfachen Momente auf „Wheeltappers And Shunters“ die starken sind, überrascht nicht. Dass sie sich rarmachen, dagegen schon.

Anspieltipps:

  • Complex
  • Rejoice!
  • Laughing Cavalier

Neue Kritiken im Genre „Art-Pop“
5/10

Nachricht Vom Feind
  • 2019    
Diskutiere über „Clinic“
comments powered by Disqus