Paul Gilbert - Behold Electric Guitar - Cover
Große Ansicht

Paul Gilbert Behold Electric Guitar


  • Label: Mascot Records
  • Laufzeit: 59 Minuten
Artikel teilen:
7/10 Unsere Wertung Legende
6.8/10 Leserwertung Stimme ab!

„Behold Electric Guitar“ krankt an denselben Stellen wie andere Instrumentalalben und doch kann es überzeugen, denn Paul Gilbert versteht es sein Gitarrenspiel ohne Selbstzweck einzusetzen.

Schon in den Anfangstagen bei Mr. Big war Paul Gilbert für Kabinettstückchen auf der Gitarre bekannt und sich für keinen Gag zu schade. Wer nur „To Be With You“ kennt und da im Gitarrensolo nicht ganz genau zuhört wird eventuell verpasst haben, was Gilbert und natürlich auch Billy Sheehan auf den Hardrock-Platten ihrer Hauptband so anstellen. Auf seinen Soloalben tobt sich der 52-Jährige dann allerdings so richtig aus. Hier ein paar ultraschnelle Blueslicks, dann wieder metallische Arpeggiosalven und Highspeed-Sweeping, Tremolo-Picking und Multilegatolicks. Paul Gilbert ist ein Gitarrist, auf den das Wort Shredder bestens passt und doch ist sein Spiel stets auch melodiebewusst und songdienlich. Auf seinem mittlerweile 19. Soloalbum „Behold Electric Guitar“ gibt es trotzdem alles was man von einem instrumentalen Gitarrenalbum aus dem Rockbereich erwarten kann. Etwas zu lang geratene Songs mit sinnfreien Songtiteln, deren Gags sich nur der Musiker erschließen und unermüdlichen und unendlich erscheinende Gitarrensoli.

Groovend eröffnet „Havin‘ It“ das Album und Paul Gilbert zeigt facettenreich was er mit der Gitarre anzustellen vermag. Während man denkt, dass der Gitarrist eigentlich schon alles gezeigt hat, was man mit dem Instrument machen kann, packt der Amerikaner in „I Own A Building“ eine stilsichere Slidgitarre aus. Bis auf die Arpeggioeinlage kann auch dieser Song überzeugen. Mit „Everywhere That Mary Went“ hat man dann den Zeitpunkt erreicht, an dem das „Gefrickel“ beginnt zu nerven. Just schüttelt Gilbert ein paar Licks aus dem Ärmel und man ist versucht direkt zur eigenen Gitarre zu greifen um versuchen diese nachzuspielen. „Love Is The Saddest Thing“ rockt dann in urtypischer Van Halen-Manier mit lässigen Riffs und Licks und erneut atmosphärischer Slidegitarre, während der Shuffle „Blues For Rabbit“ der Bluesgitarre frischen Wind einhaucht.

In der Folge wird es balladesk („Every Snare Drum“), erneut bluesig („A Snake Just Bit My Toe“) oder auch mal in gewisser Weise poppig („I Love My Lawnmower“). „A Herd Of Turtles“ drückt aufs Gaspedal und liefert funky Riffs, während der Rausschmeißer „Things Can Walk To You“ als Mischung aus Jimi Hendrix, Peter Green und ZZ Top daherkommt. Auch hier brilliert Gilbert wieder mit Slidegitarre, die seit neuestem wohl das Stilmittel der Stunde darstellt. In gewisser Weise ist „Behold Electric Guitar“ ein typisches Shredder-Gitarren-Album, es ist aber doch anders und das liegt hauptsächlich am Gitarristen. Während Kollegen mit möglichst viel Geschwindigkeit dem Selbstzweck und der Selbstdarstellung dienend drauflospreschen, versteht es Paul Gilbert wie wenige andere dem geneigten Hörer, in den meistens Fällen wohl Gitarristen, immer wieder mit außergewöhnlichen und interessanten Licks ein Schmunzeln ins Gesicht zu zaubern.

Anspieltipps:

  • Love Is The Saddest Thing
  • Blues For Rabbit
  • Every Snare Drum
  • Things Can Walk To You

Neue Kritiken im Genre „Rock“
7/10

Tallulah
  • 2019    
Diskutiere über „Paul Gilbert“
comments powered by Disqus