Charly Bliss - Young Enough - Cover
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Charly Bliss Young Enough


  • Label: Lucky Number/Rogh Trade
  • Laufzeit: 40 Minuten
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7/10 Unsere Wertung Legende
5.6/10 Leserwertung Stimme ab!

Charly Bliss spielen unwiderstehlich ekligen Coming-Of-Age-Rock, also ganz gewöhnlichen Coming-Of-Age-Rock.

Charly Bliss ist eine dieser Bands, die Hörer allein mit dem Gesang spaltet. Falls die Band um die streitbare Natur von Eva Hendricks’ Stimme weiß, dann gehen sie diesen Punkt auf „Young Enough“ mutig an. Gleich zu Beginn quietscht Hendricks’ Stimme aus den Boxen, dass Hörer sich nicht sicher, ob das nun Auto-Tune oder Helium ist, was den Gesang anscheinend verzerrt. Wer Hendricks Gesang noch nicht gewohnt ist, wird mindestens „Blown To Bits“ und „Capacity“ brauchen, um sich daran zu gewöhnen.

Wenn die Ohren sich dann endlich auf das Gesamtpaket konzentrieren, zeigt sich pünktlich ab „Under You“, dass passend zum Gesang eine quietschbunte Rockband spielt, die sich nicht vor Bonbon-Rock mit Synthesizern und Zuckerwatte-Melodiebögen fürchtet. Wo sich bei „Blown To Bits“ der Rock erahnen lässt und „Capacity“ fürchten lässt, dass diese Band nur Pop-Ohrwurm oder Rock mit Wucht hinbekommt, ertönt das rotzfreche „Under You“. Gitarren im Stile vieler Rockbands nach der Jahrtausendwende und Melodien, die noch beim ersten Hören vertraut wie alte Bekannte klingen. „Young Enough“ ist nicht mit Hits gespickt, aber ab „Under You“ weckt es eine Form der Nostalgie, die ins Herz trifft.

Eigentlich sollte die Musik von Charly Bliss zu süß sein. Eigentlich sollte diese Musik zu verspielt und irgendwie kindisch sein. Aber stattdessen klingt die Band wie die aufmunternde Weiterführung ehemaliger Aufmunterer-Rocker wie Jimmy Eat World. Mit der früh abgeschlossenen Meisterprüfung, in „Camera“ auch den oft undankbaren Midtempo-Rock an sich zu reißen, hat Charly Bliss früh positive Rockerherzen gewonnen. Erfreulicherweise kann die Band diese Qualität im Titeltrack sowie Bleach und Chatroom bestätigen.

Beeindruckend ist, dass diese Band gegen Ende sogar eine Coolness an den Tag legt, die im Angesicht des putzigen Äußeren kaum möglich sein sollte. Bei genauerem Hinhören zeigt sich, dass der Gesang ein roter Hering ist, der ein waschechtes Rockalbum voller Teenage-Angst süßer klingen lässt, als es der Fall ist. Gleichzeitig gibt das dem Album die optimistische Note, die „Young Enough“ einen aufbegehrenden und keinen todtraurigen Grundtenor verleiht.

Anspieltipps:

  • Under You
  • Camera
  • Hard To Believe

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